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Efterklang – "Piramida"

14. November 2012 | Bastian | Musikrezensionen | 2.121 mal gelesen

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Schwer zu fassen, unfassbar schön

Wenn es Bands einem derart schwer machen, sie angemessen zu beschreiben, ist das nicht selten ein Qualitätsbeweis ersten Ranges. EFTERKLANG sind so eine Band, und meinem Kollegen ME ist es bei ihrem letzten Album "Magic Chairs" trotzdem gelungen. Nun versuche ich mich ebenso, denn "Piramida" ist meine erste echte Begegnung mit der dänischen Band aus Kopenhagen. EFTERKLANG sind drei Kindheitsfreunde, die eine hörbare, kreative Symbiose eingegangen sind und dermaßen opulente Klanggemälde malen, dass sie sich für die Liveumsetzung noch eine ganze Reihe Gastmusiker heranholen.

EFTERKLANG schweben irgendwo zwischen Post-Rock und Progressive, zwischen poppigem Indie-Charme, Downtempo und filigranen elektronischen Details. Was hier wie gut zu greifende Orientierungsanker klingt, wird bei den Dänen zu einer ganz eigenen, einzigartigen Klangwelt, die sich solchen starren Kategorisierungen elegant entzieht. Und das ist gerade für jemanden wie mich, der bereits tausende Bands gehört hat, immer wieder ein Erlebnis: Musik zu hören, die man so in dieser Form bisher nicht gehört hat. Der einzige Vergleich, der sich eventuell anbietet, ist Kevin Moores Projekt CHROMA KEY. Wer dessen Album "Graveyard Mountain Home" kennt, kann ungefähr erahnen, was ihn auf "Piramida" erwartet. Melancholische Kleinepen, wunderschön erzählte Geschichten, die aus den Schranken von gewöhnlichem Rock und vorhersehbarer Balladenromantik ausbrechen. EFTERKLANG sind zerbrechlich, vielschichtig, geradezu monumental. In emotionalen Stücken wie "The Living Layer" fühlt man regelrecht die enorme Spannung, die Energien, die freigesetzt werden wollen, aber dies nicht in stumpfer Form oder durch simples Klangvolumen tun. EFTERKLANGs Größe ist das Subtile in ihrer Musik, die unendliche Weite, mit der sie von einem Moment zum anderen aus ihrer gemütlichen Kammer ausbrechen – etwa in der traumhaften Single "Apples". Wenn etwa die Bläser zum Refrain ansetzen, fühlt man sich wie auf einem Stück Land wegschweben, welches gerade vom Kontinent abgebrochen ist. EFTERKLANG schweben, schwelgen, flanieren durch die Gassen des eigenen Kopfkinos, an Straßencafés vorbei, und im Hintergrund jazziges Flair.

EFTERKLANG malen ihre Klangcollagen mit ansteckender Hingabe, schwer ist es, sich deren Wirkung zu entziehen. Wie mein Kollege bereits richtig feststellte: nicht einfach zu hören, aber noch schwerer, aus der vereinnahmenden Atmosphäre von "Piramida" wieder auszubrechen. Märchenhaft, und dabei sind die Dänen absolut keine Märchenerzähler. David Bowie zog es einst zusammen mit Brian Eno nach Berlin, seine legendäre Trilogie zeugt vom Einfluss der Stadt. Muss man nach Berlin ziehen, wie auch die Dänen, um ein Album wie "Piramida" zu schreiben? Ich weiß nur eins: Wie schön und befreit es doch wäre, würde nur halb soviel Liebe in dieser Stadt wohnen, wie sie durch dieses Album strömt.

PS: Die Aufmachung der CD lässt keine Wünsche offen. Downloads lohnen sich eben nicht.

» Efterklang

INFO-BOX
Künstler Efterklang
Titel Piramida
Format Album
Länge 10 Tracks | 46:03
Label 4AD
24.09.2012

Leserwertung:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (3 Wertungen, Ø 9,00 von 10)
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1 Kommentar zu Efterklang – "Piramida"

ME
14. November 2012

Da war einer schneller 😉 Ganz recht, find die auch klasse, die friedlichen Buben. Und der "Summer"-Song… B)

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