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Echo & The Bunnymen – "Porcupine"

8. Juli 2017 | Matthias | Hall of Fame » Musikrezensionen | 210 mal gelesen

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New-Wave- und Post-Punk-Helden der 80er

Echo & The Bunnymen - "Porcupine"Das dritte Album der Indie-Post-Punks aus Liverpool war in vielerlei Hinsicht eine große Herausforderung an Sänger und Gitarrist Ian Mc Culloch, Gitarrist Will Sergeant, Schlagzeuger Pete De Freitas und Bassist Les Pattinson. Die Stimmung in der Band war nicht die beste. Die Plattenfirma lehnte die erste Aufnahme des Albums ab, sodass alles noch einmal komplett neu eingespielt werden musste, was nicht nur eine enorme Verzögerung darstellte, sondern auch einen zusätzlichen finanziellen und vor allem nervlichen Aufwand bedeutete. Die finale Fassung von "Porcupine" wurde dann letztendlich in den Amazon Studios in Liverpool, den Trident Studios in London und in den Rockfield Studios in South Wales aufgenommen.

McCulluch sagte später über die Zeit während der Aufnahmen, dass die Stimmung in der Band absolut unerträglich gewesen sei. Man habe kaum miteinander gesprochen und jeder nur noch funktioniert. Jede noch so kleine Diskussion führte zu regelrechten Auseinandersetzungen und man ließ kein gutes Haar aneinander. Nun, offenbar sind derartige Situationen manchmal der ausschlaggebende Punkt dafür, dass Musik, dass ein Album so großartig werden kann. Grenzerfahrungen, emotionale Kanalisierung und eine starke Anspannung scheinen dazu beizutragen, dass Musiker etwas außerordentliches vollbringen. Die Geschichte vieler großer Alben basiert bekanntlich auf ähnlichen Gegebenheiten. Und bei allem Respekt vor diesen äußerst schwierigen Erfahrungen und persönlichen Differenzen der Musiker, "Porcupine" ist nicht anderes als ein Meisterwerk geworden!

Für die zweite und finale Fassung des Albums wurde der indische Musiker Lakshminarayana Shankar ins Boot geholt, der in der Musikwelt allgemein eher nur unter seinem Nachnamen bekannt ist. Er steuerte einige kleine, aber äußerst entscheidende Beiträge zur Musik hinzu. Man beachte die Eröffnung des Albums bzw. des ersten Stückes "The Cutter", dem Shankar mit einem kurzen und eingängig konzipierten, indischen Streicher-Sound seinen Stempel aufdrückte oder seinem ebenso prägnanten Einsatz bei "Back Of Love". Ohnehin lebt das gesamte Album von vielen charismatischen Sounds, von der starken Individualität und der Expressivität der einzelnen Songs. Nicht umsonst gehören besonders die beiden genannten Stücke zu den Hits der Band.

Man kann natürlich nur diese beiden Lieder als Hit-Beispiele bzw. Referenz nehmen, doch auch alle anderen besitzen genug Eigenpotential, um gleichwertig genannt und behandelt zu werden. Sei es das treibende "Clay", das tief melancholisch beginnende und sich später überraschend wandelnde Titelstück, das expressive "Heads Will Roll" mit seinem genial eingängigen und ausdrucksstarken Refrain oder das düstere "Higher Hell", alle Stücke besitzen ein unverwechselbares Eigenleben. Dazu trägt McCulloch mit seiner gesamten stimmlichen Spannbreite entscheidend bei. Egal, ob er ins Mikro haucht, vorsichtig und zurückhaltend singt oder dem vollen Umfang seines Organs freien Lauf lässt, sein Gesang verfehlt nie die Wirkung.

Die Musik selbst ist trotz aller Reibereien und negativen Schwingungen innerhalb der Band entsprechend emotional aufgeladen, vielseitig und einfach äußerst gelungen. Die Songs sind hörbar detailliert und ihre individuellen Stärken wurden sehr gut herausgearbeitet und hervorgeholt. Die Band wirkt auf dem Album, als habe sie ein Ziel vor Augen gehabt, von dem sie sich durch nichts abbringen lassen wollte, auch nicht von internen Querelen. ECHO & THE BUNNYMEN standen in der Blüte ihres Schaffens. Sie haben ihr Potential perfekt genutzt und mit "Porcupine" etwas Großes geschaffen.

» Echo & The Bunnymen

INFO-BOX
Künstler Echo & The Bunnymen
Titel Porcupine
Format Album
Länge 10 Tracks | 44:56
Label Korova, WEA
04.02.1983

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