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Dredg – "Catch Without Arms"

8. August 2010 | Matthias | Musikrezensionen | 1.750 mal gelesen

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Ein perfektes Konzeptalbum

Dredg - "Catch Without Arms"Bevor "Catch Without Arms" veröffentlicht wurde, überzeugten DREDG ihre Fans mit Musik, die deutlich in eine progressive Richtung ging, trotzdem aber nicht als Progressive Rock oder dergleichen bezeichnet werden konnte. Grobe Parallelen konnte man zu OCEANSIZE ziehen, die ihre Musik in ähnlicher Form veredelten. DREDG zeigten sich zwar nicht wirklich sperrig, aber auch nicht leichtfüßig und unbedacht, sie pendelten sich in einer gehobenen Klasse ein, spieltechnisch jedoch weder übertrieben kompliziert noch zu vertrackt. Die Musik vermittelte Tiefgang ohne anstrengend oder eben übertrieben schwierig zu wirken und dennoch hörte man einen spieltechnischen Anspruch heraus. Mit ihren ersten beiden Alben "Leitmotif" (1999) und "El Cielo" (2002) haben sie sich jedenfalls eine kleine aber nicht unerhebliche Fanbase erschaffen, die der Band treu ergeben war.

Mit "Catch Without Arms" änderte sich ein wenig die musikalische Ausrichtung der Band. Viele alte Fans registrierten mit Zähneknirschen einen kleinen Wandel und störten sich regelrecht daran, dass DREDG nun Songs mit Hitcharakter schrieben und alles deutlich abgerundeter und nachvollziehbarer erschien. Der Tiefgang war zwar immer noch vorhanden, aber ihre Musik war nun völlig unkompliziert zu konsumieren.

Gleich beim Start fällt auf, dass "Catch Without Arms" einerseits super natürlich produziert ist und andererseits die Instrumente perfekt aufeinander abgestimmt sind. Der Opener "Ode To The Sun" mit seinen zügigen und dennoch leicht verträumten Vibes überzeugt sofort und begeistert mit einem warmen, eben sonnigen Refrain. Sofort danach folgt die Single "Bug Eyes" und besticht mit großartigen Gitarrenparts mit sehr hohem Wiedererkennungswert sowie ebenfalls einem Refrain, der regelrecht mitreißt und nachhaltig im Ohr hängen bleibt. Wenn dann das Titelstück läuft und man den leicht ernsten und dennoch wolkigen Sounds der Gitarren lauscht, sich dem umwerfenden, super genialen Refrain hingibt, spürt man bereits, dass DREDG hier etwas ganz großes geschaffen haben.

Der Siegeszug des Albums geht lückenlos weiter und neben dem äußerst abwechslungsreichen Songwriting zeigt sich Sänger Gavin Hayes durchgehend von seiner besten Seite. An keiner Stelle klingt seine Stimme schwach, unstimmig oder gar unpassend. Er bereichert jeden Abschnitt auf seine eigene, höchst melodische Art und verleiht diesem Konzeptalbum durch seine außerordentlich gekonnte Betonung von einzelnen Worten und Silben einen enormen Tiefgang.

"Not That Simple" und "Zebraskin" klingen nachdenklich und werden wie jeder Song auf dem Album durch große Refrains getragen, der den Hörer wie auf Wolken davontragen. "The Landbark Is Hot Lava" gibt danach ordentlich Gas. Mit rockigem Uptempo, sogenanntem Vorschlag auf der Snaredrum und schnellem Gitarrengeschrabbel klingt das Stück relativ hart und allein der hochmelodische Gesang gibt wiederum etwas schönes hinzu, so dass man hierzu nicht nur 'abrocken', sondern auch einfach nur zurückgelehnt genießen kann. "Sang Real" gibt nach der vorangegangenen Energiesalve mit seinen ruhigen Beats und entspannten Tönen Raum zum Luftholen, während "Planting Seeds" ein schön gradliniges, sanftes aber nicht ruhiges Stück ist, das zum Ende hin mit wunderschönen. atmosphärischen Gesangseinlagen besticht.

"Spitshine" ist eine lupenreine (Alternative) Rock-Nummer mit toll gesungenem Refrain und mitreißendem Songwriting. DREDG vermitteln auf diesem Album nicht nur innerhalb eines Songs eine unglaublich vielfältige Dynamik, sondern sie weiten diesem Umstand auch auf das gesamte Erscheinungsbild des Albums aus. Sie haben die dynamischen Kurven hier absolut perfekt in ihre Kompositionen einbezogen. "Jarmais Vu" ist eine Halbballade, nachdenklich, fast schon melancholisch und dennoch mit einer sehr positiven Energie ausgestattet, welche besonders die Gitarren mit ihrem halligen Klang vermitteln. "Hung Over On An Tuesday" gibt dann nochmal amtlich Stoff und zeigt, dass DREDG auch richtig Zähne zeigen können. Wild und ungestüm krachen sie sich durch den Song, wobei wiedereinmal der melodische Gesang das Gesamtbild nicht zu extrem, bzw. nicht zu hart erscheinen lässt. Das zu Beginn von der Saitenarbeit her etwas an U2 erinnerde "Matroshka (The Ornament)" schließt mit seinen wohligen, positiven Melodien das Album absolut rund ab und besigelt ein insgesamt überragendes Werk.

"Catch Without Arms" lädt durch seine Vielfältigkeit förmlich dazu ein, nochmal und nochmal gehört zu werden. Mich hat dieses Album regelrecht gefesselt und man gestatte mir folgenden, durch und durch subjektiven Satz: Ich habe in den letzten zehn Jahren kein anderes Alternative-Rock-Album so oft gehört wie dieses und das kann nur ein gutes Zeichen sein.

DREDG klingen auf diesem Überwerk eingängig und dynamisch unglaublich ausgependelt. Das Songwriting ist ausnahmslos überzeugend, sound-technisch gegen alle Kritik resistent und textlich und natürlich gesanglich ebenfalls absolut einwandfrei. Hier wurde alles, aber auch wirklich alles zur Perfektion gebracht. "Catch Without Arms" ist nicht nur ein wahnsinnig tolles Album mit einem Konzept über Gegensätze, das sich im Übrigen sehr lohnt (eigenständig) zu ergründen, sondern auch ein atmosphärisch dichtes Erlebnis in Sachen moderner Rock-Musik. Einfach perfekt.

10/10

» Dredg

INFO-BOX
Künstler Dredg
Titel Catch Without Arms
Format Album
Länge 12 Tracks | 55:10
Label Interscope Records
27.06.2005

Leserwertung:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (4 Wertungen, Ø 9,75 von 10)
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