• N/A

  • Napalm Death – „Smear Campaign“Mit etwas Abstand kann ich ganz eindeutig sagen, dass dieses Album einen der allerbesten ND-Tracks an Bord hat. „Sink Fast Let... (Matthias)
  • U2 – „No Line On The Horizon“Nach langer Zeit mal wieder aufgelegt. Was für ein Müll! Es tut fast schon weh, U2 in diesem Zustand zu hören (der sich bis heute leider... (Matthias)
  • David Bowie – „★“ (Blackstar)Meine Zustimmung, absolut! Geniales Album, seltsame Stimmung, androgyn, enthoben, warm, jazzig, mit sensationellem Pop-Appeal, wenn der Meister... (ME)

David Bowie – "★" (Blackstar)

30. Januar 2016 | Matthias | Musikrezensionen | 2.109 mal gelesen

Tags: , , ,

The Duke has left the building...

David Bowie - "Blackstar"Der Mann mit den 1000 Gesichtern. Major Tom, Ziggy Stardust, Harlekin, Starman und und und… Wir alle haben unweigerlich mitbekommen, dass einer der letzten großen, wenn nicht sogar der letzte große Pop-Künstler am 10. Januar 2016, wenige Tage nach Veröffentlichung seines letzten Albums, an den Folgen eines 18 Monate währenden Krebsleidens verstorben ist. "★" oder "Blackstar" ist sein Vermächtnis. Bowies Leben war von der Kunst umhüllt und selbst sein Tod hatte diese gewissen besonderen Umstände, die eben nicht üblich sind. Die Krankheit komplett verschwiegen (und das bei seiner Bekanntheit!), am 08. Januar, seinem 69. Geburtstag, erscheint "Blackstar", zwei Tage später geht der Thin White Duke von uns. Aber Bowie wäre nicht Bowie, wenn er ohne Anspruch einfach abgetreten wäre. Sein Abschiedsalbum wirft Fragen auf (die wir uns nun selbst beantworten müssen), ist herausfordernd, künstlerisch wertvoll, experimentell und erfrischend anders. Ein Statement, eine Verneigung, ein Dankeschön? Womöglich alles, insgesamt aber auf jeden Fall sehr spannend und sehr gelungen!

Sieben Stücke sind zu hören und das Titelstück macht den Anfang. Schräge, kantige Drumbeats und forderne Melodielinien, eingespielt von Top-Musikern aus der Jazzszene, die Bowie für das Album an Bord geholt hat, leiten die Scheibe ein und so manch einer dürfte zunächst mit runzelnder Stirn darstehen und sich fragen, ob das hier tatsächlich Bowie ist. Er ist es! Mutig und unkonventionell überrascht der Earthling dann in der Mitte des Stückes mit einer Wendung, die dem Lied eine ergänzende Atmosphäre verpasst. Über den Inhalt des Textes (und auch die der anderen Lieder) möchte ich an dieser Stelle nicht unken, darüber gibt es bereits genug sinnige und vor allem unsinnige Spekulationen im Internet.

Mit "'Tis A Pity She Was A Whore" geht es weiter. Dem Lied, in dem sein bestes Stück besungen wird. Wieder gibt es kantige Beats, dieses Mal aber in flotter Variante. Der verschmitzt lüsterne Gesang gibt dem Stück einen ganz besonderen Anstrich und wenn das Saxophon seine ungebändigten Linien beisteuert, rundet sich das extravagante Bild vorzüglich ab. Bowie at his best. "Lazarus" ist der Schmuser, der Schmeichler. Jazzig und entspannt lädt das Stück zum Zurücklehnen ein und macht deutlich, dass Bowie definitiv ein Faible für Jazz gehabt haben muss. Das bereits bekannte "Sue (Or In A Season Of Crime)" hat es auch aufs Album geschafft, jedoch in einer neuen Version. Wilder, unentspannter, eckig, irgendwie auch abgehoben und pschedelisch, trotz der hektischen Breakbeats. Ziemlich cool und lässig kommt dann "Girl Loves Me" rüber und besticht mit sehr charismatischem Gesang und einer gewissen geheimnisvollen Art, die sich durch die Refrain-Zeilen schleicht.

Entspannt geht es weiter mit "Dollar Days", ein im Studio entstandenenes Lied, das eine leise Art von Todessehnsucht austrahlt. So, als ob alles geklärt wäre und der Duke das Gebäude nun verlassen dürfe. Natürlich nicht ohne ein Fazit und den bewussten Schlussstrich. Nahtlos geht das Stück in "I Can't Give Everything Away" über. Ruhige, flüssige Beats treffen auf klassische Bowie-Gesangslinien und eine tolle Atmosphäre; poppig, aber keineswegs zu typisch. Mit diesem schönen Titel rundet der Brite sein finales Album ab, zwar mit einer dicken Träne im Gepäck, aber auch ohne Wehmut und ohne unerfüllte Träume.

"Blackstar" ist rund geworden. Es ist sicher anders als das, was man vielleicht erwartet hat, aber dafür auch künstlerisch und musikalisch deutlich anspruchsvoller, als Erwartungen hätten suggerieren können. Aber was erwartet man eigentlich von DAVID BOWIE, dem Mann mit den 1000 Gesichtern, der schon so viele Figuren und Musikstile ausprobiert hat und sich in jedem dieser Exkursionen bewährt hat? Ein Statement an die Welt, eine Verneigung vor der eigenen Musik, ein Dankeschön an die Fans? Haben wir doch alles bekommen oder nicht!?

Danke für diesen gelungenen Abschied, David Jones!

9/10

» David Bowie

INFO-BOX
Künstler David Bowie
Titel
Format Album
Länge 7 Tracks | 41:13
Label ISO / RCA / Columbia / Sony
08.01.2016

Leserwertung:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (1 Wertungen, Ø 9,00 von 10)
Loading...


Ähnliche Artikel:
» David Bowie – "The Next Day"
» David Bowie – "Lodger"
» David Bowie – "Black Tie White Noise"
» David Bowie – "Heroes"
» David Bowie – "Low"
» Kurz notiert #14
» David Bowie – "Never Let Me Down"

1 Kommentar zu David Bowie – "★" (Blackstar)

ME
31. Januar 2016

Meine Zustimmung, absolut! Geniales Album, seltsame Stimmung, androgyn, enthoben, warm, jazzig, mit sensationellem Pop-Appeal, wenn der Meister aller Klassen loslegt. Die einschmeichelnden Passagen im Opener, "Lazarus" odeer dem grandiosen Finale lassen die Kinnlade runterklappen und niederknien. Hab eben in Richtung seines Grabes gebetet, ey, mehr geht wirklich nicht!

Leave a comment

* Copy This Password *

* Type Or Paste Password Here *