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Cult Of Luna – "Eternal Kingdom"

10. September 2008 | ME | Musikrezensionen | 1.512 mal gelesen

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Balanceakt auf Stahlseilen

Cult Of Luna - "Eternal Kingdom"Schleppendes Riffing eröffnet die neue CULT OF LUNA "Eternal Kingdom". Postrock deckt uns lavaartig zu, kriecht über uns hinweg, die anklagenden Vocals über den zertrümmernden Klangkaskaden werden songdienlicher als zuletzt eingesetzt. "Owlwood" zeigt die Besessenheit, schwarze Raben ziehen unheimliche Kreise über uns, wir befinden uns inmitten der nahezu entvölkerten, seelenlosen Einöde. Nicht draußen, nein, in der Stadt. Es sind urbane Klänge, die hier aufgefahren werden, auch wenn sich Black Metal-Versatzstücke erahnen lassen. Komplex, zerrissen, unheilkündend strömt "Eternal Kingdom", der Titeltrack, über uns hinweg. Verzweifelter Gesang untermalt das düstere Szenario. Eruptionen inneren Widerstreits, das Gequältsein des auf sich selbst zurückgeworfenen Menschen werden nüchtern vertont. Dabei halten sich die sieben Schweden aus Umeå nicht an Konventionen: vielschichtig gehen sie vor, dennoch monolithisch, Doom ebenso ins Soundgerüst integrierend wie Noise, Prog und Elektrospielereien.

"Ghost Trail" beginnt zerbrechlich, die Stahlsaite wirkt überanstrengt, überspannt. Wir befinden uns auf einem trostlosen und endlos scheinenden Industriegelände; irgendwann gab es hier Arbeit und viele Menschen. Nun staunen wir über die Leere, die Weite, das grau gespannte Firmament über uns. Schwer erzittern die Licks, der melancholische Grundgehalt des Themas erfährt eine Auflösung in beinahe euphorische Melodik. Das Solo ist nicht von dieser Welt. Es erinnert an Wärme, Leben, Frühling. CULT OF LUNA haben einen großen Schritt nach vorn gemacht. Denn sie schreiben nun Klassesongs. Alle Experimente werden verwoben, der dunkle Faden bleibt immer bestehen und führt uns durch das bleierne Grau. Die ruhigen Akustikpassagen wirken nun stimmig in die Tracks eingebettet, die Länge der Songs erzeugt eine bittere Atmosphäre, einen unheilvollen Sog. Das Ende von "Ghost Trail" tönt aggressiv, steigert sich in einen finalen Rausch; der Widerstand, die Anklage bleibt, auch wenn sie verhallt.

Das stille "The Lure (Interlude)" ist eines der effektiv Spannung erzeugenden Zwischenspiele, zum Durchatmen bestens geeignet. Die Spieluhr im Hintergrund allerdings verheißt nichts Gutes. Die Bläser bringen organische Farbe ins variable Spiel. In "Mire Deep" balancieren wir über die Stahlseile der monumental gespannten grau-schwarzen Brücke, die Ausblicke sind atemberaubend. Hier wird keine kindische schwarze Messe zelebriert; hier wollen Menschen zurück ins Leben, über Trümmer, Hindernisse monumentaler Art klettern sie in schwindelerregender Höhe, das andere Ufer ist so fern. Packendes melodisches Riffing treibt uns weiter. Die Migration hat begonnen. In Trance, beinahe hypnotisiert folgen wir dem Rezitativ, "The Great Migration" führt uns mit einem tollen Choral samt denkwürdigen Leads optimistischeren Zeiten entgegen. Dieser Song ist grandios geraten, ein CULT OF LUNA-Vorzeige-Track. Hier finden wir alles, was diese Band ausmacht. Kompositionskunst durch Stille, Wut, Einklang, Konfusion, schlüssige Auflösung.

Das Intermezzo "Osterbotten" lässt innehalten; beinahe haben wir die sehnsüchtig erwarteten Gestade erreicht, und wieder spielt eine unheilvolle Leierkasten-Melodie im Hintergrund. "Curse" wagt sich vor, Schritt für Schritt, wir haben wieder Erde, Land um uns. Ödnis auch hier. Dennoch weiter. Denn irgendwo muss es noch Leben geben. Das emotionale Solo verrät es uns. "Ugin" tönt verweht zu uns herüber, kurz, zerbrechlich, fragil. "Following Betulas" bildet das rhythmische Finale dieses Albums. Aggression und Besänftigung halten sich die Waage, der einsetzende Enthusiasmus äußert sich in der Fanfare. In der Tat, wir haben einen Weg in die Zivilisation zurück gefunden, steinig, dornig, doch es gibt sanft pulsierendes Leben hier, auf dieser Seite. Die Arche ist gelandet. Um den Pulsschlag zu erhöhen und das Bäumchen zu pflanzen sind wir hier.

» Cult Of Luna

INFO-BOX
Künstler Cult Of Luna
Titel Eternal Kingdom
Format Album
Länge 10 Tracks | 60:59
Label Earache Records
16.06.2008

Leserwertung:

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