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Cradle Of Filth – "The Manticore And Other Horrors"

10. November 2012 | ME | Musikrezensionen | 1.728 mal gelesen

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Alucard mein Name

Eine neue CRADLE OF FILTH? Da weiß man einerseits immer, was man bekommt, andererseits gibt es auch stets kleine Abweichungen. Die beiden Vorgänger ließen ja in Punkto Irrsinn und Labyrinth kein Auge trocken und keinen Hals ohne Blut. "The Manticore And Other Horrors" knüpft da nahtlos an, aber Vorsicht, den Faden der Ariadne wird der Hörer nicht zurückverfolgen können, einen Ausgang aus dem Höllenspektakel gibt es nicht.

Nach knirschend-orchestralem Intro sind wir wieder mitten drin in dieser wahnwitzigen Melange aus viktorianischem England, Rokokko und Vampir-Atmosphäre mit Latex-Touch. "The Abhorrent" hetzt uns die Meute bezopfter Perückenträger schon vor dem Frühstück auf den Hals. Anders gesagt wir sind die erste Mahlzeit des Tages. Nun, also flott durch die Gänge der plötzlich so verwinkelten Burganlage. Seltsame Schatten scheinen ein Eigenleben zu führen. Wandleuchter, zitternde Lichtreflexe und verwirrt umherirrender Diener von Alucard machen es uns auch nicht leichter. Erinnerungen an "Cruelty And The Beast" werden wach, Hektik kommt auf, dennoch, den Song umfasst eine Klammer, mit Klauen sozusagen. Es ufert aus, aber dann ist das Flussbett plötzlich glatt. Ein Speed Metal-Riff eröffnet "For Your Vulgar Delectation", überhaupt hat Dani ja seit einiger Zeit eine Vorliebe für Rock und Metal der Achtziger. Er keift, grollt und bietet feine spitze Schreie, wenn er ein bemitleidenswertes Opfer in die Ecke getrieben hat. Das transparente mit weißer Spitze verzierte Nachthemdchen wirkt zwar ungemein verführerisch, allerdings in diesem Falle mit gemeiner Konsequenz, denn die Nachtschöne ist nun eine Untote.

Klar, manches kommt uns bekannt vor, aber CRADLE variieren auch auf dem neuen Album. Orchestral ja, aber fokussierter. Es setzt immer wieder außerordentlich gute atmosphärische Dunkelschleier, gefolgt von feinem Riffing und fiesen Orgel- und Keyboardklängen. Und im Gegensatz zu DIMMU erliegen Sie auch nicht der Verführung, ihre Tracks mainstreamtauglich gestalten zu sollen.  Theatralisch, bombastisch und mit der Edelportion Gothic-Kitsch erleben wir die von uns so ersehnte Achterbahnfahrt. Das Blut schmeckt warm, salzig, süß und sinnlich zugleich. Das kann diese Band wie keine Zweite. Dramatisch die Verschiebung der Wahrnehmung, apokalyptisch die sich öffnenden schwarzen Schlünde, überdreht das innere Uhrwerk verlieren wir jedwede Orientierung. Und immer haben wir die Schwingen des schwarzen Drachens über uns. Und so geht das durch sämtliche Songs des Albums. Der Titeltrack "Manticore" fährt wunderbare Frankenstein-Licks auf. Und "Palid Reflection" einen Chorus, welcher so charmant tönt, dass er uns nicht aus dem Kopf geht. "Siding With The Titans" lässt endlich Elisabeth Bathory auftreten. Kryptische Keyboardsequenzen, der Rausch nähert sich dem Finale. This beast is cruel!

Im Gegenteil zu den "truen" Black Metal-Bands des reichlich schrägen Genres geben CRADLE OF FILTH keine Anleitung, im Wald leben zu müssen und totale Einsamkeit allem anderen vorzuziehen. Sie feiern das Leben, so seltsam es klingt, auf ihre Weise, Boccaccio statt Burzum. Wenn schon Vampir, dann bitte auch mit burlesker Groteskerie! Wir sind nun in einer Art Falle, denn aus dem Turm am Ostflügel gibt es kein Entrinnen, nur den Schrank mit doppelter Wand und dann ab in den Keller. Ob das eine gute Idee ist? Fortsetzung folgt mit dem nächsten CRADLE-Album!

» Cradle Of Filth

INFO-BOX
Künstler Cradle Of Filth
Titel The Manticore And Other Horrors
Format Album
Länge 11 Tracks | 51:40
Label Peaceville Records
29.10.2012

Leserwertung:

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