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Children Of Bodom – "Relentless Reckless Forever"

29. August 2011 | ME | Musikrezensionen | 2.032 mal gelesen

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Pursuit Of The Vikings Part IV: Pussies on speed!

Die Finnen vom Lake Bodom haben es sich mit ihrer neuesten Veröffentlichung “Relentless Reckless Forever” nicht leicht gemacht. Denn statt auf Konsensattitüde zu setzen und erneut einen Rang in den Charts in Deutschland anzustreben (“Blooddrunk”, der Vorgänger, landete ja sensationell auf Platz 5) gehen Alexi und Co. einen dornigeren Weg.

Die barocken Spielereien mit fettem Tägtgren-Sound sind lange vorbei; damals und NICHT heute waren CHILDREN OF BODOM Mainstream. Denn damals konnten sich Black-, Death-, Dark und Powermetaller mit dem Stilmischmasch der Buben anfreunden. Nun, nach einer Dekade musikalischer Entwicklung sind sie kratzbürstiger, rockiger, punkiger geworden, bauen mehr und mehr Siebziger-Flair in ihre Songs ein.

Auf den Hall der ersten drei Alben verzichten sie, auch auf plakative Effekthascherei. Die Keys kringeln immer noch, allerdings in erster Linie als Unterstützung der von Alexi rotzig vorgetragenen Texte und aggressiven Licks. Soli und Hooklines sind nicht sofort zu erschließen, flirren beschwingt in benachbarte Gebiete des Lake Bodom, um sogleich mit fein-enthusiastischen Melodielinien aufzuwarten, eine Herangehensweise, welche ich als typisch finnisch ansehe; denn auch MOONSORROW, INSOMNIUM oder ENSIFERUM praktizieren ja erfolgreich diesen lässigen Spagat zwischen Euphorie und Melancholie.

Die Songs von “Relentless Reckless Forever” sind auch keineswegs einfach arrangiert, Strophe-Chorus-Strophe, sondern es hagelt Breaks, Riffing, melodische Chorusse, welche immer wieder auf die von Alexi so geliebten trotzigen Ätsche-Popätsche-Kinderliedmelodien zurückgreifen. Auch urbane Sounds tasten sich in die Songs: schon auf dem Cover sehen wir, dass das Schnitterbiest in einer mechanistischeren Welt als vordem agiert, die Stadt lauert im Hintergrund. Die Natur befindet sich im Herbstzustand, einige Menschlein sind von der Magie des Blätterwerks im wörtlichen Sinne gefangen.

Diese Musikform ist eskapistisch. Dennoch bietet sie feine Unterhaltung auf hohem Niveau. Es gibt selbstredend Déjà-vus, na und? Ob nun “Roundtrip To Hell” (der Beginn ist purer Laiho!!!) oder “Ugly”, “Pussyfoot Miss Suicide” oder der Titelsong “Relentless Reckless Forever” (wir können auch JEDEN anderen Track anführen), immer hagelt es pubertären Protest, welcher letztendlich scheitern muss. Diese Rolle des aufständischen Punkers, der sich gegen Spießigkeit auflehnt, aber gleichzeitig Party machen möchte, sich eigentlich auch für andere Rocksparten interessiert, jedoch diese praktizierte Form von Musik am besten spielen kann, das liegt Alexi.

Immer erinnern wir uns auch an W.A.S.P. oder andere Rocker aus den Achtzigern, welche stets das Gaspedal durchtraten und einfach nicht still stehen konnten. Speedrock bei gleichzeitig kontrollierter Verspieltheit ist Programm bei den Kumpels vom Bodensee. Und im Gegensatz zum Punk setzt Alexi durchaus auf Technik und schmückendes Beiwerk, was besonders Warmen, dem Keyboarder einige Möglichkeiten bietet. Dennoch, CHILDREN OF BODOM haben ihren Klangkosmos gleichzeitig immer weiter entschlackt. Weniger Zucker bedeutet, dass man das Album oft hören kann, ohne dass es sich abnutzt. Ich finde das sehr unterhaltsam.

» Children Of Bodom

INFO-BOX
Künstler Children Of Bodom
Titel Relentless Reckless Forever
Format Album
Länge 9 Tracks | 36:24
Label Spinefarm Records
04.03.2011

Leserwertung:

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