• Napalm Death – „Smear Campaign“Mit etwas Abstand kann ich ganz eindeutig sagen, dass dieses Album einen der allerbesten ND-Tracks an Bord hat. „Sink Fast Let... (Matthias)
  • U2 – „No Line On The Horizon“Nach langer Zeit mal wieder aufgelegt. Was für ein Müll! Es tut fast schon weh, U2 in diesem Zustand zu hören (der sich bis heute leider... (Matthias)
  • David Bowie – „★“ (Blackstar)Meine Zustimmung, absolut! Geniales Album, seltsame Stimmung, androgyn, enthoben, warm, jazzig, mit sensationellem Pop-Appeal, wenn der Meister... (ME)

Chelsea Wolfe – "Abyss"

4. November 2015 | Matthias | Musikrezensionen | 968 mal gelesen

Tags: , , , ,

Tiefer in den Abgrund

Chelsea Wolfe - "Abyss"Zwei Jahre nach ihrem vorzüglichen Album "Pain Is Beauty" (2013) meldet sich die Amerikanerin Chelsea Wolfe mit einem weiteren Meisterwerk namens "Abyss" zurück. Meine anfängliche Skepsis, ob sie ihr letztes Werk toppen könnte, ist nach zwei bis drei Durchläufen verschwunden. "Abyss" braucht ein wenig um sich zu entfalten, da die aus Sacramento/Kalifornien stammende Musikerin erneut einen Haken geschlagen hat und ihrer experimentellen Ader freien Lauf ließ. Keines ihrer Albem klang bislang gleich, aber der Sprung von "Pain Is Beauty", mit seinem elektronischen Einschlag und experimentellen Goth-Folk-Art-Rock, hin zum experimentellen Sludge-Monster "Abyss" ist ein so enormer, dass sie fast Gefahr lief, alte Fans zu vergraulen. Aber ist es nicht genau das, was man an Künstlern so liebt? Der Mut zur Veränderung unter Beibehaltung seiner persönlichen musikalischen Markenzeichen. Chelsea Wolfe ist dieses Kunststück perfekt gelungen.

Mit "Abyss" geht es tief in den Abrgund, musikalisch wie auch lyrisch. Der Gitarren-Sound ist häufig drückend schwer und viele der Stücke schleifen sich in fast schon schmerzhaft zähem Tempo dahin. Keineswegs verrennt sich die Singer-songwriterin dabei in stumpfem Gitarren-Drone-Gegrolle, sondern behält den Song-Aspekt stets im Vordergrund. Die dumpfen, harten Gitarren werden hier ganz gezielt und bewusst als Element für Tiefe, Schwärze und eben die Vertonung des Abgrunds benutzt; sozusagen als melodramatische Steigerung ihrer ohnehon schon sehnsüchtig schwermütigen Musik.

Chelsea Wolfe durchstreift und vermischt stilistisch die Bereiche Industrial ("Carrion Flowers", "After The Fall"), Sludge ("Iron Moon", "Dragged Out") sowie dunklen Singer-Songwriter ("Maw", "Crazy Love", "Survive") und fügt gerne ein paar elektronische Spielereien hinzu, die den Songs oder einzelnen Teilen davon ein zusätzliches Erlebnis verpassen. Mit verzerrten Sounds und zum Teil verfremdeten Gesang wird auf "Abyss" die Schwärze der Seele im wahrsten Sinne des Wortes zelebriert und gelebt. Wenn man nicht wüsste, dass diese junge Frau noch den größten Teil ihres Lebens vor sich hat, könnte man sich glatt Gedanken um ihr Wohl machen.

Das Album ist sehr intensiv und man spürt förmlich, wie die Sängerin die unterschiedlichen, stets düsteren Phasen ihres Werkes durchlebt. Ein Auseinandersetzen mit den Texten ist übrigens dringend zu empfehlen, denn dadurch wird die Wirkung der Musik und der Gesangsinien noch einmal vertärkt. "Abyss" ist dunkle Melancholie pur. Ich wage zu behaupten, dass man diese Art Musik nicht besser machen kann. Wahnsinnsalbum!

10/10

» Chelsea Wolfe

INFO-BOX
Künstler Chelsea Wolfe
Titel Abyss
Format Album
Länge 11 Tracks | 55:54
Label Sargent House
07.08.2015

Leserwertung:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (Noch keine Leserwertungen vorhanden)
Loading...


Ähnliche Artikel:
» Chelsea Wolfe – "Pain Is Beauty"
» Emma Ruth Rundle – "Marked For Death"
» Kurz notiert #57
» Kurz notiert #72
» Kurz notiert #53
» Savio Rego – "All I Want"
» Bill Callahan – "Apocalypse"

No comments yet.

Leave a comment

* Copy This Password *

* Type Or Paste Password Here *