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Canvas Solaris – "Irradiance"

19. August 2010 | Bastian | 4 Ohren 2 Meinungen » Musikrezensionen | 1.910 mal gelesen

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Technische Raffinesse oder bloß Fingerübungen?

Canvas Solaris - "Irradiance"4 Ohren 2 Meinungen

Musik mit Seele, oder seelenloser Frickelkram für Studiomusiker? CANVAS SOLARIS sind eine der instrumentalen Progressive-Bands, die ihre Hörer zwar nicht mit überbordendem Technik-Isolationismus überfordern, aber eben doch keine leichte Kost liefern. Während sie in meinen Ohren den Brückenschlag zwischen instrumentaler Raffinesse und traditionellem Songformat geschafft haben, und sie in den Ohren meines geschätzten Kollegen ME dennoch bloß Fingerübungen an den Saiten machen, könnt ihr hier lesen.

Instrumentaler Jazz-Prog mit dem gewissen Etwas

Auch wenn man sich seit Jahren im Metalgeschäft bewegt, kann man immer noch überrascht werden. So ging es mir jetzt mit CANVAS SOLARIS, die mir als Vertreter des sog. 'Djent Metal' vorgestellt werden. 'djent' bezeichnet dabei in etwa den Klang, den man mit einer ganz bestimmten Anschlagstechnik auf der Gitarre erreicht. Die Frage, ob man nun gleich deswegen ein neues Subgenre für Bands aufmacht, ist berechtigt, sind doch die ganzen Feinheiten eher durch geschultes Gehör herauszuhören. Ein anderer Grund, der dagegen spricht ist, dass diese Technik nur ein Detail, ein Stilelement ist, die im Großen und Ganzen nichts daran ändert, dass die US-Amerikaner Jazz-infizierten, technisch anspruchsvollen Progressive Metal spielen.

CANVAS SOLARIS begehen dabei als Instrumentalband allerdings nicht den Fehler, sich in allzu vertrackten Strukturen zu verirren oder abstrakten Mathematiker-Metal zu spielen. Sie sind geradliniger als ihre Kollegen SCALE THE SUMMIT und sorgen in den komplexen Arrangements regelmäßig mit äußerst eingängigen Passagen für willkommene Auflockerung des Gesamtbildes. Als Inspiration dürften sicherlich altgediente Bands wie MESHUGGAH oder SPIRAL ARCHITECT Pate gestanden haben, nur das CANVAS SOLARIS nicht so aggressiv aber auch nicht so verkopft sind. Die Band sorgt zwar für einige heftige Momente (z.B. "Glacier"), überzeugt aber vor allem durch einen harmonischen, sehr atmosphärischen Fluss der Musik, die zu keinem Zeitpunkt belastend oder spröde wirkt.

Mit Songtiteln wie "Conveyance Of Flux" oder "Accelerated Testing Phase" steht man zwar in bester Frickeltradition, aber ich gehe soweit zu behaupten, dass CANVAS SOLARIS mit "Irradiance" ein Album zusammengestellt haben, welches auch für Hörer geeignet ist, die sich ansonsten nicht gerade für technische Raffinessen, Saitenhexerei oder vielschichtige, genau durchdachte Arrangements mit Improvisationscharakter erwärmen können. Und für alle die das doch tun, bietet das mittlerweile fünfte Werk eine Dreiviertelstunde beste Prog-Unterhaltung.

(Bastian)

8/10

Allein, es fehlt der Blues

Vorbilder? MESHUGGAH, (die anstrengenden) SCALE THE SUMMIT und andere progressive Flitzefinger. "Irradiance" ist schon die fünfte Veröffentlichung der Instrumental-Band CANVAS SOLARIS. Die Richtung wird übrigens als Djent-Metal beschrieben. Kernpunkt der Technik ist der gedämpfte Gitarrenanschlag.

Nun, es geht die Tonleiter rauf und runter, immer wieder setzt es Midtempo-Riffing und atmosphärische Breaks. Wo andere sich in jazzigen Passagen oder Post Rock tummeln, um ihre Experimentierfreude auszutoben, wandeln CANVAS SOLARIS in pseudoproggigen Gefilden. Denn oft ist die Musik nicht Prog, sondern wirkt improvisiert oder nicht zu Ende gedacht.

Die Songs müssen natürlich besonders spannungsreich komponiert werden, wenn der Gesang fehlt. Das ist jedoch nicht unbedingt der Fall. Denken wir an die (zugegebenermaßen auch weit anspruchsvolleren) TORTOISE: diese Band mischt gern verschiedene Stile mit Elektroloops und griffigen Leads. Da gelingt das Experiment. CANVAS SOLARIS wirken noch halbgar, manch eine Idee gerät doch arg wackelig und das Elektrogeglucker kann auch störend den Fluss der Songs kreuzen.

Im Grunde ist das eher Musik für Studiomusiker. Den Ansatz kennt man von so genannten technischen Death Metal-Bands, welche oft gar nicht so technisch agieren, man nehme JOB FOR A COWBOY. Oder man erinnere sich an BECKER & FRIEDMANN, welche einst ebenfalls in diesem Genre wilderten. Für den Normalrocker sind wahrscheinlich derartige Ausflüge hektischer Natur über Tonleitern zu eigensinnig, die Akkorde zu sehr auf Kunst getrimmt. Künstlich könnte man es auch nennen.

Leben wird der Musik von CANVAS SOLARIS jedenfalls kaum eingehaucht, von einer Seele ganz zu schweigen. Die Band ist instrumental versiert und so mancher Ausflug ins Land der Sterilität auch durchaus gelungen. Es gibt feine Ideen, man höre z.B. "Glacier" und das nette Solo, obwohl Solo? Eigentlich ist der ganze Song ein Solo; die ganze CD im Grunde. Das ist das Problem nicht nur an diesem digitalen Orte.

(ME)

6/10

» Canvas Solaris

INFO-BOX
Künstler Canvas Solaris
Titel Irradiance
Format Album
Länge 9 Tracks | 44:03
Label Sensory Records / The Laser's Edge Records
16.07.2010

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