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Borknagar – "Urd"

27. März 2012 | ME | Musikrezensionen | 2.916 mal gelesen

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Ode an Jotunheimen

Der Opener "Epochalyse" fuhrwerkt bereits mit allen Stilmitteln durchs nordisch-kahle Geäst, majestätisch, bombastisch, opulent. Die Norweger BORKNAGAR huldigen der ungezähmten Natur mit ihrer neuen Veröffentlichung "Urd" wieder einmal in Form dieser eigentümlichen Mixtur aus Psychedelic, Seventies Rock, Prog und Black Metal. Die diesmal aufgebotenen drei Vocalisten Simen "ICS Vortex" Hestnæs, Andreas "Vintersorg" Hedlund und Lars "Lazare" Nedland liefern sich von Anfang an packende Gesangsduelle. Auffallend ist der monumentale Touch, Klassik tönt im Hintergrund, man hat den Eindruck, direkt vor einen Lawinensteilhang auf die Nordseite eines Bergmassivs ungeheuren Ausmaßes versetzt zu werden.

Es hagelt Breaks und Soli, warme Hammonds böllern zu Heavydrumming und unfassbar clean gespieltem Riffing. Die hellen Akkorde werden besonders gut von Vintersorgs Schwarzmetallstimme kontrastiert, der die Raserei in kahle Gefilde ins Hörbild zurückbringt, wenn vorher Chöre klassische Soundlandschafften voll monumentaler Großartigkeit erschaffen haben. Ständig feiern sich BORKNAGAR selbst, Manchmal mutet es ein wenig überambitioniert an, zu größenwahnsinnig vielleicht.

Dann wieder liefert diese Band Musik zum Niederknien. Erhaben-grandios wie ein ein schneegekröntes Bergmassiv im Winterlicht strahlt die Musik. Mir persönlich sind es manchmal zu viele spiralförmige Verwicklungen und etwas steril entfalten sich die Arrangements: man kommt sich ein wenig wie in einem hermetisch dichten Eisblock eingeschlossen vor, aber gut, Bandleader Øystein steht drauf. Es ist immer eine Art anachronistischer Gleichzeitigkeit vorhanden: denn auch golden schimmernde Wärme findet sich ja stets, organische Elemente betont durch klassische Streicher, das wummernd-harmonische Bassspiel oder die obengenannten Hammonds.

Die Gesangsleistungen sind außerordentlich gut in Szene gesetzt. Manchmal wird man durch das Fanfarenhafte stark an Mega-Bands wie EMERSON, LAKE & PALMER erinnert, dann wieder an QUEEN oder YES. Unglaublich gut dann, wenn es Pfeile hagelt, denn irgendwo da oben sind noch rätselhafte Ur-Bewohner verborgen hinter spitzdornigem Geäst. Ihre zeitweilige Präsenz schafft Unruhe, kurze heftige Attacken nach atmosphärischen Akustikparts erinnern an ihre trostlose Abgeschiedenheit, winterliche Verlassenheit und hinterlassen eine Ahnung von unendlicher Einsamkeit. Die Instrumentalpassagen sind durchsetzt von unprätentiösem Folk. "The Plains Of Memories" erinnert, exzellent komponiert, an diese schwingende Gitarrenaura ("Strange World", "Remenber Tomorrow" und "Prodigal Son") der ersten zwei MAIDEN-Alben.

In "Mount Regency" schellt und klingelt es auch, jedoch Vintersorg zieht hier giftig vom Leder. Es setzt Speed, klirrende Kälte zu dramatisch ausufernder Musik; hier werden sogar Death-Vocals superb eingestreut, es folgt der obligatorisch orgelnde DEEP-PURPLE-Part, bevor die höllische Schlittenfahrt weitergeht. Ein Übersong für mich!!! Generell übernimmt Simen erstaunlich viele Gesangsparts mit der für ihn typisch nasalen Stimmlage und es ist, als wär er nie weg gewesen: zurück mit Charme und Verve. Er bringt das Überdrehte Siebzigerflair ins Spiel, Vintersorg die Prog- Spiralen und die Neunziger. Lazare übernimmt die Parts, welche zurückführen in die Mitte, ohne welche die pfeilwinkligen Ausschläge der anderen Vocals nicht denkbar wären.

Glasklar, glockenhell mit transparentem Gitarrenhall und Wagnerianischer Dramatik beschließt "In A Deeper World" das Album packend, energetisch, heavy. Es könnte der Opener sein, Faszinierend und wenn öfter gehört werden immer mehr Facetten offenbar, wissen mehr und mehr zu gefallen.

» Borknagar

INFO-BOX
Künstler Borknagar
Titel Urd
Format Album
Länge 9 Tracks | 53:03
Label Century Media
26.03.2012

Leserwertung:

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1 Kommentar zu Borknagar – "Urd"

ME
1. April 2012

Auch hier gilt: die Version mit Bonus greifen! 'Age Of Creation' ist ein wunderbarer Achterbahn-Track, der unbedingt aufs Album gehört und die Version von 'My Friend Of Misery', uns bestens von METALLICATS bekannt, klingt auch astrein. Ansonsten möchte ich nochmals betonen, dass das Album exzellent ist und meine oben genannten minimalen Kritikpunkte während der nunmehr 14 Tage anhaltenden Schlittenfahrt zum Verstummen gebracht wurden, und zwar vollends.

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