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Barren Earth – "Curse Of The Red River"

21. April 2010 | ME | Musikrezensionen | 1.588 mal gelesen

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Tuonela - Traurigkeit der tausend Seen

Barren Earth - "Curse Of The Red River"Wenn die ehemaligen AMORPHIS-Haudegen Oppu Laine (Bass) und Kasper Mårtenson (Synthesizer) zusammen mit MOONSORROW-Drummer Marko Tarvonen, KREATOR-Axtmann Sami Yli-Sirniö, Janne Perttilä von RYTMIHÄIRIÖ sowie Vocalist Mikko Kotamäki von SWALLOW THE SUN eine neue Band zum Leben erwecken, ist einiges zu erwarten. BARREN EARTH nennt sich diese skandinavische Kombo, welche nach einer viel versprechenden EP nun mit "Curse Of The Red River" ihr Debüt veröffentlicht hat.

Und es ist sehr mutig, ausgerechnet den sperrigsten Song als Eröffnung zu wählen. Der Titeltrack "Curse Of The Red River" setzt neben tiefste Growls Klarstimmen im Chorus, und zwar nicht nach Art von "Modern Metal", sondern in Richtung folkloreartiger Auflösung elegischer Melancholie der Sorte "Tuonela", falls dieses unterschätzte AMORPHIS-Meisterwerk noch jemandem etwas sagt. Dazu gesellt sich Steven Wilsonsche Experimentierfreude und OPETHsche Dramatik. Und man achte auf die Basslinien! Am instrumental ausufernden Ende des Songs fühlen wir uns, von hellen Flötenklängen Satyrs beflügelt, den wunderbaren AMORPHIS-Klassikern "Morning Star", "Nightfall" oder "Rusty Moon" näher als je zuvor.

Und das ist erst der Anfang. "Our Twilight" zelebriert beinahe doomartigen Dark Rock mit feinem Riffing oder soll man es nun elegischen Death Metal mit Hammonds nennen? Der Klarrefrain wird von Mikko charismatisch und mit kräftiger Stimme eingesungen. Den Kontrast bilden seine sehr gemeinen Grunts. Ein wenig erinnert diese Atmosphäre auch an alte PARADISE LOST, allerdings befinden sich BARREN EARTH draußen, in der Natur, während PERADISE LOST ja das Innere der Kathedrale für ihre Lamenti bevorzugen. Doch BARREN EARTH sind vielseitiger, trauen sich mehr. "Forlorn Waves" eröffnet folkloristisch, diesmal hören wir Mikkos böse Stimme erst im Chorus. Dieser Song ist superb geraten: Keys, Akustik, Steigerung, Auftürmen der Emotion, hymnisch, enthusiastisch, gleichzeitig traurig; so brauchen wir das doch gelegentlich, oder? In die Überlänge der Songs werden immer freche, spielfreudige Soli und überraschend hoch thronende Breaks platziert. "Flicker" setzt die eingeschlagene Richtung fort; der Chorus nach akustischer Strophenphase mit hintergründigem Folkanteil wird von einer Keybordlinie flankiert, welche an die bekannte seltsame SUMMONING-Wald-und-Wiesen-Stimmung hinter den grüngoldenen Bergen erinnert.

Interessant ist die Tatsache, dass die Songs zu gleichen Teilen von den Bandmitgliedern komponiert wurden; so haben verschiedene Vorlieben Eingang in die cleveren Arrangements gefunden, Siebziger Rock, Folklore, komplexe orientalische Parts; wir erleben eigenartige Wendungen ins Dunkel hinter dem Vorhang, dann stehen wir mitten im blauen Band des Frühlings, gebannt von poetisch-traurigen Texten. BARREN EARTH sind eine Band; das ist auch der Unterschied zu BLACK SUN AEON und deren Winteralbum, welches ja trotz unbestrittener Qualität recht eindimensional (eben wie ein Einmannprojekt) ausgefallen ist. "The Leer", jetzt phantasiere ich mal, zaubert die Atmosphäre eines selbstvergessenen Pilze kauenden Cat Stevens, wenn er versucht, zur Elektrischen zu grollen und beim optimistischen Chorus hängen bleibt, denn es ist sonnig, Orgeln wabern, Cat erhält Unterricht von Mikko und er schlägt sich wacker, unser Yusuf Islam, er vergisst tatsächlich, dass er in Richtung Mekka sitzen müsste, egal, wir sind in Finnland, alles dreht sich fein, auch der See vor uns, zugedröhnt von Kasper Mårtensons Hammond und soeben genossenen getrockneten Knollenblätterdingern entwickelt sich echte, authentische Folklore wie von selbst.

"The Ritual Of Dawn" verbleibt im düsteren Bereich. Die melodischen, mit dezenter Folklore unterlegten Passagen werden von Mikkos tief gelegtem Gesang ordentlich heruntergezogen, er kann das richtig gut, jawohl! Und dann folgt eine der überraschendsten Sequenzen der CD: akustisch perlend wird eine quasi genrefremde Klargesangpassage eingeläutet, die ein weiteres mal Sprachlosigkeit verursacht ob ihrer feinen Wirkung. "Ere All Perish" erinnert mich zunächst stark an harte OPETH-Tracks, dann erfolgt eine unheilvolle Wendung, Raben ziehen über uns hinweg, ein opulenter Chorus (Growls sind unschlagbar! Nie mehr Klargesang, außer von Stanne, Åkerfeldt und Mikko!) schmeichelt sich in die Gehörgänge. Der Aufbau diese eher wabernden Tracks überzeugt; ich habe diese CD bisher sicher 30 Male gehört und bin immer noch begeistert.

Auch "Cold Earth Chamber" zeigt, dass Oppu Laine und Kasper Mårtenson ganz entscheidend den Sound von "Elegy", "Tuonela" und der frühen Death Metal-Richtung von AMORPHIS beeinflusst haben müssen, denn diese Wurzeln werden immer wieder aufgegriffen, jedoch nicht plagiiert. Nicht nur, dass Mikko viel besser, weil ausdrucksstärker als Tomi Joutsen singen kann; auch sind die Songs von BARREN EARTH im Gegensatz zu AMORPHIS‘ "Skyforger" nicht kalkuliert und ausschließlich am Pop orientiert, obwohl auch BARREN EARTH gerne einmal verführerisch-anschmiegsame Akkorde andeuten. Jedoch nur als Appetizer, nicht als Mahlzeit. "Deserted Morrows" führt ruhig aus dem Album. Die Klarstimme von Mikko enthält viele Facetten. Hier nun die dunkle Fassung, kontrastiert von Growls im dramatischen Chorus. BARREN EARTH sind 2010 neben DARK TRANQUILLITY, THROES OF DAWN und BORKNAGAR das Beste im progressiven Metal-Sektor mit Dark-, Black- oder Death-Schlagseite. Und BARREN EARTH sind eine der selten gewordenen Bands, welche mich so umgehauen haben wie einst IN FLAMES mit ihrem grandiosen "Colony"-Album.

9/10

» Barren Earth

INFO-BOX
Künstler Barren Earth
Titel Curse Of The Red River
Format Album
Länge 9 Tracks | 54:23
Label Peaceville Records
31.03.2010

Leserwertung:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (8 Wertungen, Ø 8,50 von 10)
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