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Anathema – "Distant Satellites"

16. Juni 2014 | Matthias | Musikrezensionen | 1.631 mal gelesen

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Melancholischer Entspannungstrip

Anathema - "Distant Satellites"Zwei Jahre haben sich die Melancholic Progressive Rocker ANATHEMA Zeit gelassen um den Nachfolger zu ihrem grandiosen Album "Weather Systems" ins Rennen zu schicken. In vorab geführten Interviews mit Kreativkopf Danny Cavanagh, der verantwortlich für die meisten der Kompositionen und Arrangements ist, konnte man lesen, dass die Band nicht stillstehen möchte, sich einmal mehr weiterentwickelt und nun auch elektronische Elemente in ihren Sound eingebaut hat. Sein Bruder, Gitarrist und Sänger Vincent Cavanagh hatte aus eigenem Gefallen und Interesse schon länger darauf plädiert, diese Ideen auch bei ANATHEMA einzuflechten und nun sei es endlich soweit. Doch wie stark oder besser gesagt gravierend sind diese neuen Elemente und klingt ihr zehntes Album "Distant Satellites" wirklich so viel anders als "Weather Systems"?

Kurz gesagt: Nicht wirklich. Das neue Album klingt nur in wenigen Punkten anders. Musikalisch ist ganz eindeutig die Handschrift des vorigen Albums bzw. von ANATHEMA wahrzunehmen, auch wenn sich die Feinheiten auf "Distant Satellites" etwas anders herauskristallisieren als auf dem Vorgänger. Es gibt auch tatsächlich vereinzelte elektronisch geprägte Parts, die sich jedoch meist auf Drumbeats reduzieren. Keyboards sind ohnehin schon länger Bestandteil des Bandsounds, selbst, wenn sie oft nur als Klangfläche dienen, die der melodiösen Dramatik der Stücke den Nährboden bieten. Weiter ist auffällig, dass kaum eines der neuen Stücke die nahezu durchgehende Einprägsamkeit der Lieder auf "Weather Systems" besitzt. Somit erfordert "Distant Satellites" ein noch intensiveres Auseinandersetzen mit der Materie, um die Arrangements, die dramaturgischen Spannungsbögen der Musik in Kombination mit den Lyrics zu erfassen und letztendlich zu verstehen. Natürlich geht es nicht grundsätzlich darum, nur Vergleiche oder Unterschiede zu "Weather Systems" zu suchen und zu finden doch wenn die Band diese beiden Alben selbst als ihre besten Werke bezeichnet und sie sogar in Interviews gegenüberstellt, sei es auch hier erlaubt, diese Idee aufzugreifen und anzureißen.

Hervorstechend ist der Dreiteiler "The Last Song", deren erster Teil (zugleich der Opener) mit einem wahrhaft mitreißenden Crescendo ausgestattet ist. ANATHEMA sind mittlerweile ohne Frage als Meister im Kreiieren von Spannungsbögen zu bezeichnen. Wenn die Dramatik eines Songs bis zum Zerreißen gespannt ist, gelingt es den Musikern regelmäßig, noch einen drauf zu setzen, ohne sich in Kitsch und übertriebener Heulerei zu verlieren. Der oft mehrstimmige Gesang wirkt dabei wahre Wunder, besonders wenn die zerbrechliche und gleichzeitig liebliche Stimme von Sängerin Lee Douglas sich an die Stimme von Vince Cavanagh schmeichelt.

Richtig elektronisch wird es auf dem Album übrigens erst zum Ende hin, nämlich beim eigenwilligen "You're Not Alone" und dem recht reduzierten aber sehr schönen Titelstück. Auch das noch ruhigere und melancholische Abschlussstück "Take Shelter" bleibt bei der Thematik Elektronik und kommt zunächst mit sanften Klaviertönen, Streichern und vorsichtigem Gesang aus. Zur Mitte hin kommen wieder trockene Beats aus dem Computer hinzu, die sich steigern und das Stück stimmungsmäßig erstaunlicherweise in eine positivere Richtung lenken. Somit endet das Album mit einem wahren Hoffnungsschimmer und man fühlt sich als Hörer regelrecht beruhigt und entspannt.

Wieder einmal ist es ANATHEMA gelungen, ein tolles, ergreifendes Album zu schreiben, das man, wie auch einige der Vorgänger, einfach nicht oft genug hören kann.

9/10

» Anathema

INFO-BOX
Künstler Anathema
Titel Distant Satellites
Format Album
Länge 10 Tracks | 56:40
Label Kscope Music
06.06.2014

Leserwertung:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (5 Wertungen, Ø 8,20 von 10)
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