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A Perfect Circle – "eMOTIVe"

10. November 2009 | Matthias | Musikrezensionen | 1.311 mal gelesen

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Anti-Kriegs-Demo

A Perfect Circle - "Emotive"Nach dem überragenden Debut "Mer De Noms" und dem guten Nachfolger "Thirteenth Step" war ich im Vorfeld sehr gespannt darauf, wie sich A PERFECT CIRCLE wohl mit ihrem dritten Longplayer in Szene setzen würden. Das Folgealbum "eMOTIVe" wurde dann anders, und zwar ganz ganz anders als die beiden Vorgänger. Es ist zwar immer noch erkennbar, wer hier am Werke ist, jedoch ist der Sprung, den Bandkopf Billy Howerdel mit diesem Release vollzogen hat, ein sehr großer.

Weiterhin bleibt zudem die Frage offen, ob "eMOTIVe" überhaupt die Zukunft von A PERFECT CIRCLE widerspiegelt, denn dieses Album ist keine reguläre Veröffentlichung im üblichen Sinne. Bis auf "Passive" und "Counting Bodies Like Sheep To The Rhythm Of The War Drums" (eine deutlich überarbeitete und sehr eigenwillige Version des Tracks "Pet" vom "Thirteenth Step"-Album) gibt es keine neuen Eigenkompositionen.

"Passive" ist dabei ein üblicher A-PERFECT-CIRCLE-Hammer und zeigt die gewohnten Stärken der Band auf. Die restlichen Tracks sind vollkommen umkomponierte Coverversionen, die auf äußerst eigenwillige, aber nicht minder beeindruckende Art umgesetzt worden sind.

Vornehmlich verhalten und äußerst gefühlsintensiv vorgetragen, erschließen sich dem Hörer musikalische Reisen durch die Begriffe Krieg, Frieden, Liebe und Habsucht (O-Ton M.J. Keenan). Stets mit einem enormen Hauch Melancholie und stellenweise auch Aggression vorgetragen, beschreiten Billy Howerdel (Gitarre), Maynard James Keenan (Gesang), Josh Freese (Schlagzeug), Jeordie White (Bass) und James Iha (Gitarre) für A PERFECT CIRCLE verhältnismäßig neue und vor allem experimentelle Pfade.

"Annihilation" (Original von CRUCIFIX) hat mehr die Introfunktion, wird mit dezenten Keyboardklängen und Flüsterstimme vorgetragen. Mehr gibt's zu diesem Stück kaum zu sagen. Dennoch eine korrekte Einleitung in das Album; hier ist alles anders.

Danach folgt der JOHN-LENNON-Klassiker "Imagine". Vollkommen umgebaut und zu einem vor Traurigkeit triefenden Stück Musik mutierten A PERFECT CIRCLE diesen Evergreen. Sehr ruhig und Statisch gehalten bescheint dieser Track einmal mehr, dass Keenan einer der charismatischsten Sänger im Alternative-Rock-Bereich ist.

Mit "Peace, Love And Understanding" (von ELVIS COSTELLO) zeigen sich A PERFECT CIRCLE sehr zerbrechlich und ebenfalls leise. Keenan singt leicht erhöht und dermaßen zerbrechlich, dass man meinen könnte, er bricht jeden Augenblick in sich zusammen.

"What's Going On" ist mein unumstrittener Favorit auf "eMOTIVe". Meiner Meinung nach haben A PERFECT CIRCLE in ihrer Karriere kein zweites, dermaßen gefühlsintensives Lied vorgetragen wie dieses. Wenn man bedenkt, dass Marvin Gaye den Song geschrieben hat und A PERFECT CIRCLE ihn für ihre Zwecke umfunktioniert haben, muss ich vor dieser Leistung wirklich den Hut ziehen. Wundervoller Refrain, wundervolle Gitarrensoli und wunderschöne Harmonien. Perfekt!

"Passive" ist eine Eigenkomposition und das merkt man auch sofort, hat dieser Track doch nichts mit der Experimentierfreude der restlichen Stücke zu tun. Ein lupenreiner APC-Knaller mit einem super Refrain und den APC-üblichen Melodylines. Geil!

BLACK FLAGs "Gimmie, Gimmie, Gimmie" ist ziemlich entstellt worden und ist ganz klar eine der schrägsten Nummern auf dem Album. Schräg und laut vorgetragen mit seltsamen (aber doch irgendwie zur Grundstimmung passenden) Keyboard düdeleien unterlegt, dazu der recht aggressive und verzerrte Gesang, entwickelt der Song eine Atmosphäre, die zwar den erhobenen Finger zeigt, aber auf mich nicht die erhoffte Wirkung hat. Schwach.

Ich weiß nicht, ob Dave Gahan (bekanntlich der Sänger von DEPECHE MODE) dieses Stück bereits gehört hat, aber er kann sich sicher sein, das die APC-Version von "People Are People" dem Original definitiv keine Konkurrenz machen kann. Mal abgesehen davon, dass der Song einen komplett neuen Anstrich bekommen hat und lediglich der Text geblieben ist, und das auch nicht mit jeder Silbe, was ich im übrigen nicht schlimm finde, wurde er allerdings nicht sonderlich originell umgesetzt. Diese albernen Lalala-Gesänge hätten sie sich sparen können und auch ansonsten sehe ich hier keine aufregenden oder besonders heraus stechenden Augenblicke. Sehr lieblos und ideenlos.

Den DEVO Track "Freedom Of Choice" haben A PERFECT CIRCLE in typischer, bandeigener Manier umgesetzt und somit klingt dieses Lied wie aus der eigenen Howerdel-Feder. Nach den beiden eher mäßigen Vorgängern geht's also wieder Bergauf mit der Qualität. Gut so.

Mit dem Folgetrack "Let's Have A War" (Original von FEAR), erneut ein eher verhaltenes, leise verspieltes Stück, beschreiten APC erneut neue, für die Band bisher ungeahnte Wege und erschaffen eine sehr gelungene Atmosphäre. Der harte, mit scharfer Stimme vorgetragene Gesang mit den "Let's Have A War"-Säuselgesängen, erweitern diesen Track zu einer äußerst gelungenen Demontage des Originals.

"Counting Bodies Like Sheep To The Rhythm Of The War Drums" ist, wie erwähnt, das zweite und letzte eigene Lied auf dem Album. "Pet" vom letzten Album wurde kräftig umgebaut und in ein neues Gewand gekleidet. A PERFECT CIRCLE arbeiten hier sogar mit Industrial-Elementen. Sehr spannend.

Bevor der Rauswerfer kommt, eröffnen die Herren uns, wie sie sich "When The Levee Breaks" vorstellen. MASSIVE ATTACK standen scheinbar Pate bei diesem ursprünglichen MEMPHIS-MINNIE-Klassiker (der aber erst in der Version von LED ZEPPELIN tatsächlich aufsehen erregte). Hypnotisch und mit viel Hall und weiter weg erscheinender, veränderter Stimme vorgetragen, taucht dieses Lied erneut in die melancholischen Abgründe der fünf Musiker ein. Wahnsinn, dass sich A PERFECT CIRCLE trauen, dieses goldene Stück Musikgeschichte so umzuarbeiten. Aber auf jeden Fall gelungen. Beeindruckend schön.

Den Abschluss bildet die A-Capella-Nummer "Fiddle And The Drum" von JONI MITCHELL. Als eine Art Klagegesang, der dennoch seine netten Augenblicke hat, rundet dieses Stück ein irgendwie ziemlich seltsames, aber auch spannendes Album ab, zu dem auf jeden Fall einiges an Mut gehört.

Fazit: "eMOTIVe" hat seine Höhen und Tiefen, im emotionalen, wie auch im qualitativen Bereich.

Ich denke, man darf diese Scheibe nicht als A PERFECT CIRCLE im eigentlichen Sinne sehen, sondern als Experiment. Unter diesem Aspekt ist das Album durchaus gelungen. Aus der Sicht der bisherigen beiden Werke "Mer De Noms" und "Thirteenth Step" kann "eMOTIVe" jedoch nicht mithalten. Da A PERFECT CIRCLE ihren eigentlich einzigen regulären neuen Track "Passive" in gewohnter Machart gehalten haben, kann man davon ausgehen, dass das nächste echte Album wieder in die gewohnte Richtung geht… vorausgesetzt es erscheint nochmal eins…

7/10

» A Perfect Circle

INFO-BOX
Künstler A Perfect Circle
Titel eMOTIVe
Format Album
Länge 12 Tracks | 48:13
Label Virgin Records
02.11.2004

Leserwertung:

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