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Parallax Sounds Chicago

28. Februar 2014 | Bastian | Filmrezensionen | 4.452 mal gelesen

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Parallax Sounds ChicagoDokumentar- oder Musikfilm? Filmessay oder ein audiovisuelles Album? Augusto Contentos "Parallax Sounds Chicago" ist kein gewöhnliches Portrait über die drittgrößte Stadt der Vereinigten Staaten, und erst recht ist es kein gewöhnlicher Blick auf eine für diese Stadt einzigartige Musikszene. Großstädte als soziokulturelle Epizentren einer Gesellschaft stehen für gewöhnlich im Fokus dokumentarischer Filme, die Verbindung einer bestimmten Umgebung und Infrastruktur mit einer kulturellen Szene erscheint logisch.

Für diesen Film ist Chicago genau das, im gleichen Moment aber auch nicht. Chicago ist Schablone, architektonische Poesie, bisweilen ein Akkord, eine einzige Note und darüber hinaus das Universum, in dem die Protagonisten des Films wirken. Sie sind keine Experten, aber langjährig erfahren; sie sind keine erklärten Szenevertreter oder sonstige Epigonen, aber Namen mit Rang, mit Geschichte, und gehören in gewisser Weise als Eckpfeiler zu dieser Stadt, die nicht nur auf Erde und Stein gebaut ist.

"Parallax Sounds Chicago" ist ein Film über die Emanzipation der Rockmusik über sich selbst. In kunstvoll komponierten Bildern, in denen die Stadt zu keiner Sekunde bloße Kulisse ist, in deren Hintergrund nichts Beiläufiges oder Zufälliges geschieht, wird die Geschichte des Rocks nachgezeichnet, dem die Rebellion der Kalter-Kriegs-Ära abhanden gekommen war, der sich sozusagen mit Anti-Antirebellion vom Völlegefühl der Mainstreamübersättigung befreien wollte. Seattle als Hochburg des Grunge hatte dafür gesorgt, dass diese ungeschliffene, neue Art des Rocks im Underground plötzlich hip genug war, um in Dauerrotation auf MTV zu laufen und millionenschwere Plattenverträge zu garantieren. Zuerst war Heavy Metal als Rebellion abgeschrieben, nun auch diese Musik Teil des Establishments. Chicago's Antwort darauf: Post-Rock.

Im Film kommen einige namhafte Musiker zur Sprache, die versuchen zu beschreiben, was dieser Begriff im Grunde nie beschreiben konnte. Rock …nach Rock? Ken Vandermark (u.a. The Vandermark 5, Preisträger der MacArthur Fellowship), Steve Albini (Gitarrist von Big Black, Rapeman, Produzent u.a. für Nirvana, The Stooges, Pixies), David Grubbs (Gastr del Sol), Ian Williams (Don Caballero), Rick Wojcik (Dusty Groove America) und Damon Locks (The Eternals) beschreiben allesamt das musikalische Mikroversum einer Stadt mit anderen Mentalitäten und der Rockmusik, die sich vom Einheitssound abspalten und Konventionen bewusst meiden wollte. 'Post-Rock', was immer man auch darunter verstehen will – vor allem heutzutage, da dieser Begriff so unreflektiert und inflationär gebraucht wird, wie nie zuvor – steht im Grunde für einen Ansatz, bei dem Musiker althergebrachte Positionen verlassen. Musik komponieren mit der Perspektive eines Hörers, eines Fans, eines Plattensammlers, der vor keiner Genregrenze halt macht. Musik, die sich keiner musikwissenschaftlichen Ästhetik unterwirft. Musik, die weder zwingend kommerziell noch zwingend populär sein möchte.

Es ist diese alte Geschichte musikalischer Rebellion, ist sind vor allem vertraute Schwingungen des Jazz und der Beat-Kultur, die hier anklingen, und die gerade vor dem Hintergrund der technologischen Innovationen (Stichworte: WWW, Downloads, Umbruch der Musikindustrie) in einem ganz neuen Licht erscheinen.
"Parallax Sounds Chicago" entwirft keine Chronologie, will nicht definieren oder prognostizieren. Alle Mitwirkenden, die sich für den Soundtrack in einem Ensemble zusammenfanden, stammen aus unterschiedlichen Ecken der Stadt und ihrer Szene(n), und was sie zu sagen haben, trifft auch für andere Bereiche der Musik jenseits des (Post-)Rocks zu – Bereiche, die auch in Chicago zuhause sind, wie z. B. das an einer Stelle von Vandermark erwähnte, legendäre Independentlabel Wax Trax Records.

Künstlerische Freiheit, künstlerische Ambitionen und auch Bescheidenheit – wenn der Film, der auf die klassische Narration verzichtet, zu einem Statement finden müsste, dann wäre es vielleicht das. Das, und der sichtbare Charakter einer Stadt, der die Mentalität und Kultur ihrer Bewohner prägen.

» Parallax Sounds Chicago bei IMDb.com
» RealFictionFilme

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