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Kill Me Please

3. Dezember 2014 | Bastian | Filmrezensionen | 3.783 mal gelesen

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Frühzeitiges Ableben mit Sonderwünschen

Kill Me PleaseWieviel ist ein Menschenleben wert? Für Doktor Krueger, der mit den entsprechenden Statistiken bestens vertraut ist, eine ganze Menge. Krueger leitet eine Klinik für Menschen, die aus dem Leben scheiden wollen. Doch es sind längst nicht nur die Todkranken, deren Bedürfnis nach schmerzlosem Frieden nachvollziehbar wäre, es sind vor allem gescheiterte Existenzen, die sich mit Videoportraits für die Aufnahme in die Klinik bewerben. Verblasste Operndiven, abgestürzte Geschäftsleute, Schauspieler kurz hinter dem Zenit ihrer Karriere, Spielsüchtige, Vatermörder – sie alle artikulieren ihren Weltschmerz mit emotionaler Inbrunst, während die junge Frau Julia, die an einer seltenen und tückischen Blutkrankheit leidet, buchstäblich jeden Tag mit dem Tode ringt, still und ohne Tränen.

Krueger will den Menschen helfen, Schmerzen lindern, aber auch Perspektiven aufzeigen. Seine Patienten und ihre teils abstrusen Vorstellungen, wie sie ihre letzten Minuten verbringen möchten, machen ihm die Gratwanderung zwischen assistiertem Suizid und (Über-)Lebenshilfe nicht leicht, ebenso wenig die feindselig gestimmte Umgebung, die ihm Selbstmordtourismus vorwirft, und auch nicht die Finanzinspektorin Evrard, die ihn verdächtigt, sich am Erbvermögen seiner Patienten zu bereichern. Das Geschehen entwickelt eine bizarre Eigendynamik, als plötzlich ein Patient nach dem anderen von Unbekannten ermordet wird. Die Jagd auf die Lebensmüden scheint eröffnet, während Kruegers Welt in ihre Einzelteile zerbricht.

Olias Barcos Film ist eine bitterböse, schwarze Komödie, die sich einem ernsten Thema verschrieben hat, ohne es der Lächerlichkeit preisgeben zu wollen. Gerade weil beim Themenkomplex 'Selbstmord' und 'Sterbehilfe' soviele Kontraste zusammenfließen, kann eine parodistische Perspektive als Katalysator wirken. Die gemäßigten und fundamentalistischen Positionen aus Religion und Philosophie, sie finden sich zwischen den Zeilen und in den Figuren. Gibt es ein Recht auf den eigenen Tod? Und wer verfügt über dieses Recht? Wer wird zum Richter über persönliche Schicksale? Wem gehört das Leben?

So albern die Motive mancher Patienten auf den ersten Blick auch scheinen – keiner macht sich die Entscheidung leicht, alle wünschen sich eine grundlegende Veränderung des Lebens. Sie wünschen sich nicht den Tod, sehen darin aber die einzige Möglichkeit, diese Veränderung herbeizuführen. Genau da will Krueger ansetzen, scheitert aber letztendlich an seinen Ambitionen. Da ist es bezeichnend, dass ausgerechnet Julia ganz ohne ihn zu neuem Lebensmut zurückfindet, während alle anderen erst im Blutgemetzel vom Überlebensinstinkt getrieben werden.

Das Geschehen wirkt wie eine Allegorie der Kollision von Lebensrealität und dem verbissenem Kampf um die Deutungshoheit darüber – an deren Ende kein Pauschalurteil Bestand haben wird. Doch das dieses Ende noch in einiger Ferne liegt, zeigt auch die nach wie vor aktuelle öffentliche Debatte, die wohl nur durch den "demographischen Faktor" vorangetrieben werden kann – wenn es irgendwann so viele Menschen geben wird, die sich für so eine Klinik bewerben würden, ohne dass man ihnen deshalb einen leichtfertigen Umgang mit ihrem Leben vorwerfen könnte. Man wird nicht umhinkommen, dem Recht auf einen würdevollen Tod genau so viel Gewicht einzuräumen, wie dem Recht auf das Leben ansich.

7/10

» Kill Me Please bei IMDb.com

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