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Death Race: Original (1975) vs. Remake (2008)

7. Februar 2012 | Bastian | Filmrezensionen » Original vs. Remake | 1.991 mal gelesen

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Wenn die alten Römer das noch miterlebt hätten. Nicht nur lassen die Filmschaffenden immer mal wieder römische Legionen auferstehen, sondern holen auch die Gladiatoren zurück ins Leben. Und manchmal auch in ganz neue Zeiten und Umgebungen, ganz ohne Sandalen und Kolosseum. An ihrer Natur hat sich indes nichts geändert: Sie sind Unfreie, Gefangene, die der Gnade ihrer Herrscher und Herren ausgeliefert sind, sowie der Unbarmherzigkeit ihrer Gegner. In Verbindung mit Gefängnis, Polizeistaat, "Sport" und Freakshow gab es in der Vergangenheit schon einige Filme, die in dieses Raster passen, u.a. Rollerball (1975), The Running Man (1987), Wedlock (1991), The Condemned (2007) und Gamer (2009).

Auch wenn jeder dieser Filme seine ganz eigene Geschichte erzählt, haben alle eines gemeinsam: Sie spielen in einer nicht allzu fernen, dystopischen Welt, in der sämtliche Ideen von Freiheit durch ein faschistisches System hinweggefegt wurde, und moralische Wertvorstellungen obsolet geworden sind. Menschlichkeit ist nur in dieser Welt nur noch ein Etikett der Vergangenheit, ein Luxus, der allein das Überleben scheinbar nicht mehr möglich macht.

Paul Bartel illustrierte das in extrem grotesker und zynischer Weise 1976 mit seinem Film Death Race 2000, basierend auf Ib Melchiors Kurzgeschichte "The Racer". Wenn man wissen will, woher Computerspiele wie "Grand Theft Auto" (im gleichnamigen Film spielte Bartel später selbst mit!) oder vor allem "Carmageddon" ihre Wurzeln haben, sollte man sich diese Vorschlaghammer-Satire mal ansehen. Das 'Todesrennen' ist die äußerst makabre Freizeitunterhaltung für die Bevölkerung der Zukunft, die live im Fernsehen mitverfolgen kann, wie skrupellose Rennfahrer mit getunten Wagen über die Straßen brettern und dabei Zivilisten überfahren, um Punkte zu sammeln. Die meisten Punkte gibt es natürlich für das Ausschalten der Gegner, insbesondere des mysteriösen "Frankenstein", der im Original von David Carradine verkörpert wird. Sein größter Widersacher ist 'Machine Gun Joe', gespielt von einem jungen Sylvester Stallone, der erst ein paar Jahre später zum Rambo mutieren sollte.

Außer Straßen, Highways und wenigen Stadtkulissen, in denen die Rennfahrer halbwegs friedlich gemeinsam Station machen, sieht man nicht viel von dieser Welt der Zukunft. Allerdings erfährt man von der 'Resistance', einer Widerstandsbewegung, die nicht nur dem blutigen Rennsport ein Ende bereiten will, sondern auch dem totalitären Staatsapparat, der damit das geknebelte Volk unterhält.

Auch das Remake von 2008 hält sich mit der Darstellung der dystopischen Welt zurück, übt sich sogar noch in stärkerer Reduktion. Regisseur Paul W.S. Anderson beschränkt sich auf eine kurze Texteinleitung, mit der der Zuschauer ins Setting verfrachtet wird, befasst sich aber ansonsten so gut wie gar nicht mit der Welt, die seine aufgewärmte Geschichte beherbergt. Die einzigen Ausnahmen sind da der kurze Blick auf das Arbeitsleben miesbezahlter Lohnsklaven, die von SWAT-Einheiten niedergeknüppelt werden, und der kurze Blick ins traute Heim von Jensen Ames (Jason Statham), der sich schon Sekunden später in einem riesigen Inselgefängnis wiederfindet.

Genau dort spielt sich dann die moderne Version des Todesrennens ab, deutlich entschärft, da man hier auf die cross-country-Hatz auf Frauen und Kinder verzichtet. Stattdessen serviert Anderson passend zum stereotypen Gefängnisfilmkontext platte Bad-Boy-Charaktere, genauso unspannend wie die 10 Kandidaten in The Condemned, deren einzige Unterschiede sich auf ihren Namen beschränken, ganz im Gegensatz zu den teils schillernden Figuren des Originals, wie z. B. Mathilda The Hun. Auch die Geschichte um den undurchschaubaren Frankenstein, die im Original einen großen Teil der Erzählung einnahm, wird hier auf eine Phantomfigur reduziert, eine bloße Maske, die ausgerechnet der unschuldig eingesperrte Ames künftig tragen soll. Die sadistische Gefängnisdirektorin Hennessey macht ihm das berühmte Angebot, dem man sich nicht widersetzen kann: Gewinnt Ames fünf Rennen, soll er wieder ein freier Mann sein.
Beim Rennen selbst wird dann geklotzt, nicht gekleckert: Aus den 70er-Sportwagen mit Pappmaché-Verzierungen sind PS-starke Kleinpanzer geworden, die sich allerdings ebenfalls sehr ähnlich sehen. Die Rennen selbst orientieren sich stark an Arcadespielen, bei denen man durch das Einsammeln von Power-Ups Waffen und Verteidigungsmechanismen freischalten kann.

Die Geschichte selbst wird im vertrauten Knastklischee schnell vorhersehbar, und stört sich auch nicht an Ungereimtheiten, etwa wie sich die doch angeblich durch Wirtschaftskrisen und Arbeitslosigkeit kämpfende Bevölkerung die teuren Gebühren für das Mordspektakel leisten können soll. Außer den restlichen Gefängnisinsassen sieht man auch niemanden aus der Audienz, ganz anders als bei Gamer, wo man die johlenden Massen weltweit sehen konnte.
Death Race ist vor allem Action, Action, Action. Anderson arbeitet dabei mit Stilmitteln aus den Bereich Musikvideos: schnelle Schnitte, schnelle Perspektivenwechsel, schnell variierende Musiksequenzen. Wie das Rennen letztendlich ausgeht, weiß man schon bevor die erste Runde überhaupt gestartet ist. Das einzige Highlight ist da höchstens noch die Verbündung mit Ames' Pendant zu "Machine Gun Joe", um aus dem Gefängnis auszubrechen und nach Mexiko zu fliehen. Mehr als gut 60 Minuten verbeultes Metall, Explosionen und Maschinengewehrdauerfeuer bleibt unterm Strich nicht übrig, von nicht vorhandenem gesellschaftskritischen Anspruch ganz zu schweigen. Das Original hat in der Hinsicht damals zwar auch keine tiefschürfenden Analysen geliefert, wohl aber spürbare Denkanstöße, die unverkennbar ihre kulturellen Spuren hinterlassen haben. Vom Remake ist diese Wirkung in keinster Weise zu erwarten.

Alt. Titel: Herrscher der Straße – Frankensteins Todesrennen
» Death Race 2000 (1975) bei IMDb.com
» Death Race (2008) bei IMDb.com

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1 Kommentar zu Death Race: Original (1975) vs. Remake (2008)

forhekset
14. Februar 2012

Das Original ist wunderbar trashig und lebt in meinen Augen auch nur davon, so hanebüchen zusammengeschustert zu sein und so groteske Szenen zu beinhalten. Deswegen schaue ich mir doch einen Stallone-Film an: Nicht wegen subtiler Sozialkritik (das hat man ihm wohl höchstens im ersten Rambo so ein ganz kleines Bisschen abnehmen können) oder filmischem Glanz, sondern weil diese Filme selbst kein Problem damit haben, nur eine groteske Übersteigerung eines herkömmlichen Unterhaltungsprodukts zu sein. Oder habe ich das – so als Nachgeborener – falsch verstanden? Kann "Death Race 2000" jedenfalls nur empfehlen..

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