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20,000 Days on Earth

4. November 2014 | Bastian | Filmrezensionen | 3.626 mal gelesen

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20,000 Days on EarthNick Cave, geboren am 22. September 1957, dieses Jahr feierte der australische Ausnahmekünstler seinen 20000igsten Tag auf Erden. Das ist ein so besonderer Tag, dass Cave ihn kurzerhand für einen bemerkenswerten Film inszeniert hat. Was der im australischen Kaff Warracknabeal geborene Mann bis dahin erschaffen hat, wird im Zeitraffer zu Beginn des Films in Sekundenbruchteilen angerissen.

Nick Cave, dass ist der zwischen Punk, Jazz und Blues stehende Musiker, der mit den BOYS NEXT DOOR seine erste Platte veröffentlichte, sich später mit THE BIRTHDAY PARTY den Ruf erspielte, eine der brutalsten Livebands dieses Planeten zu sein, und dann mit NICK CAVE & THE BAD SEEDS eine ganze Reihe fantastischer Alben voller Jazz, Blues, Rock und düsterer Gothic-Lyrik veröffentlichte, und 1995 im Duett mit Kylie Minogue einen riesigen Mainstream-Hit mit "Where The Wild Roses Grow" feierte. In seiner Band versammelten sich Musiker wie Mick Harvey, Blixa Bargeld und Barry Adamson, die selbst auf umfangreiche Diskographien zurückblicken können.

Nick Cave, das ist der Autor der "King Ink" Gedichtbände, des brachial-bildgewaltigen Romans "And The Ass Saw The Angel" (dt. Und die Eselin sah den Engel), aber auch des Drehbuchs für den außergewöhnlichen Outback-Western "The Proposition". Zu diesem hat er mit seinem langjährigen Mitstreiter Warren Ellis auch den Soundtrack geschrieben, ebenso für Filme wie "The Road" oder "The Assassination Of Jesse James By The Coward Robert Ford", in dem er nicht zum ersten Mal als Schauspieler auftrat.

Nick Cave, das ist der vielbeschäftigte Mann, der gleich nach dem Aufstehen in die Tasten haut – weil er muss, weil er gar nicht anders kann, als diesem kreativen Strom freien Lauf zu lassen. Zusammen mit den Produzenten Iain Forsyth und Jane Pollard, die er bei den Arbeiten zu seinem Audiobook "The Death Of Bunny Munro" kennenlernte, hat er ein sehenswertes Selbstportrait geschaffen – ein Portrait seiner Kunst, seiner Person, aber auch ein Portrait von Kunst und Künstler an sich.
Forsyth und Pollard sind beide keine Musikdokumentarfilmer, und Nick Cave selbst kein Freund von substanzlosen Aufnahmen, die den Eindruck erwecken sollen, Künstler im wahren Leben, im eigenen Alltag zu zeigen. Aus diesem Grund ist 20,000 Days On Earth auch nicht das geworden, was viele vielleicht erwartet haben – eine biographische Dokumentation, ein Tagebuch auf dem Weg zur Entstehung des aktuellen Albums "Push The Sky Away" oder ein Musikfilm mit reichlich Live-Aufnahmen. Wer den Fokus auf diese Punkte gelegt hat, wird wohl zu kurz kommen.

Der Film ist vielmehr ein intimes Portrait von Caves Seelenleben als rastloser Vollblutkünstler, der für die Bühne lebt, den Moment der Verwandlung, für einen Hauch von Unsterblichkeit. In einer fiktiven Collage von Momenten blättert Cave in ausgewählten Erinnerungsstücken seiner Vergangenheit, trifft auf alte Weggefährten wie Blixa Bargeld oder Kylie Minogue, mit denen er prägende und auch kuriose Ereignisse Revue passieren lässt; oder er sitzt beim Sigmund-Freud-Surrogat in der Sitzung und berichtet dort über seine Kindheit und besondere Beziehung zu seinem Vater. Hier treffen teils pompöse Selbstinszenierung auf bewegende, zutiefst persönliche Gefühlsoffenbahrungen. Es macht den Menschen und Künstler Cave begreifbar, und auch der immer wieder eingeflochtene Fortschritt im Schaffensprozess von "Push The Sky Away" lässt selbigen schlüssiger erscheinen. Man erfährt in den 96 Minuten des Films wie auch in gewöhnlichen Dokumentationen quantitativ nicht besonders viel über den Protagonisten – aber was man aus 20,000 Days On Earth mitnehmen kann, ist ein ganzes Stück wertvoller, vor allem auf emotionaler Ebene – da wo sich Künstler, Audienz und Werk optimalerweise treffen, am gleichen Ort, zum gleichen Zeitpunkt. Der Film lässt den beeindruckenden Umfang vom Œuvre Nick Caves nur erahnen, gewährt dafür aber Einblicke und eine Perspektive, die den meisten normalen Dokumentationen fehlt. Auch wenn dieser besondere, der 20 000. Tag seines Lebens, ein fiktives Werk ist, wird man sich als Kenner möglicherweise ertappen, ihn noch über diesen Tag hinaus begleiten zu wollen, schon allein, weil Wahrheit und Fiktion sehr nah beieinanderliegen.

8/10

» 20,000 Days on Earth bei IMDb.com
» 20,000 Days on Earth Film-Website

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