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  • MattJo, ziemlich nichtssagendes Album. Nach diesem ganzen Hochgejubel überall dachte ich wirklich, hier kommt was...

Kiss – “Sonic Boom”

5. Oktober 2009 | ME | Musikrezensionen

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Pauls Schwanz kanns Oder: Beach-Camaro

Kiss - "Sonic Boom"Kaum einer hier dürfte sich an diesem herbstlichen Orte an solch technische Wunderwerke erinnern, welchen einst von ihren Schöpfern Namen wie Ford Mustang, Ford Camaro und Mercury Cougar gegeben wurden. Das waren Automarken, welche das Straßenbild bereicherten; wenn man lange genug geträumt hatte, konnte einem so ein Schlitten auch in einer deutschen Stadt begegnen. Ansonsten regierte hier der Käfer, so auch, als Baby-Stendahl damals, noch ohne 666-Zusatz, den LP-Laden seines Vertrauens (den einzigen, den er kannte) aufsuchte, sein spärlich bemessenes Taschengeld für eine Platte (statt eines ZACK-Heftes) auszugeben, um die “neue” KISS “Rockin’ All Over” zu erwerben, welche ein ähnliches Cover aufwies wie nun das beinahe drei Dekaden später erscheinende allerneueste Opus der vier Herren aus Detroit Rock City.

Hat jemand durchgehalten bis hierher? Nun, das ist gut. Denn “Sonic Boom” eröffnet dermaßen geil, dass der Straßenkreuzer von selbst die Garage verlässt, uns auf Spritztour einzuladen, nicht ohne vorher die nette Nachbarin auf den Beifahrersitz zu verfrachten. Stanley intoniert wie einst im Mai; die Gitarren bauen eine heftige Wand aus Riffs und Soli, welche uns beinahe vergessen lassen, dass hier zwei Originalmitglieder nicht mehr dabei sind.

Egal. Was zählt sind Lautsprecher, Genes Zunge und Stanleys Stimme. Mit der Musik im Ohr überwindet man die Distanz zu Jack Slater mühelos; wer möchte nicht einmal den “Last Action Hero” begleiten oder selber einer sein? KISS pumpen permanent, Muskeln sind immer präsent, die College-Party wird niemals enden, wir haben immer Sommer im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Die Chorusse müssen schon mitsingbar ausfallen, denn mit ein wenig Cold Gin oder Chevas Regal intus und der frisch gewählten Miss High-School im muskelgespannten Arme wollen wir keine MESHUGGAH-artigen mathematischen Berechnungen anstellen. “All For The Glory” ist noch solch ein Track, der uns in die Vergangenheit zurückkatapultiert: “Shout It Out Loud”! Die Musik ist sonniger Rock’n’Roll pur, Bemalung und männliches Posing dient hier ausschließlich dem Zwecke regressiver Unterhaltung; Schrecken und Horror findet woanders statt; Freddy Krüger ist weit weg; wir leben und vervielfältigen uns gern auf die Schnelle und lassen es raus.

So wie auch ZZ TOP oder AC/DC, obwohl ihre angestammten Highways kaum je verlassend immer wieder einige Unterhaltung bieten können, so tun das auch ihre Brüder des Viervierteltaktes KISS. “Danger To Us” fährt diese schnittig-markanten Gesänge und dieses fließend-sägende Riffing auf, dass eine ganze Elterngeneration zeitweise für sehr harte oder satanische Musik hielt, wie ulkig eigentlich, wenn man das retrospektiv betrachtet…

Die ganze Zeit geben KISS Gas, der Camaro schlittert vorbei an Bikini-Schönheiten, welche wir uns später näher zur Brust… Jedenfalls wollen wir erstmal den Sprit verfahren, wir haben noch 60 Liter im Tank und das reicht mit geöffnetem Verdeck, wie wir kurz durchrechnen noch ca. eine gute Stunde. KISS säbeln ihre Soli gutgelaunt; der schräge, zunächst unwillig-unsicher wirkende kleine Brillenträger mit seinen artig unterstrichenen Schulaufgaben unterm Arm, er wird konsequent auf die Rückbank gesetzt und in der Tat, Scheiß auf die Geschichte der Unabhängigkeitserklärung oder die Fressgewohnheiten von Alligatoren in den Everglades. Also weg mit den Blättern, Büchern, staubigen Taschen. 100 Meilen in der Stunde, Chrom, Hitze, Speed, Sound, Bluesrock, Sonne, Älterwerden unmöglich.

8/10

» Kiss

Format:  Album
Länge:   11 Songs | 43:19
Label:   Roadrunner Records
Release: 02.10.2009
Leserwertung:
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (1 Wertungen, Ø 8.00 von 10)
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