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Gavin Friday – “catholic”

18. November 2011 | Bastian | Musikrezensionen | 456 mal gelesen

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Irisches Pop-Requiem

Gavin Friday, irischer Vollblutkünstler. Befreundet mit Bono, einst Maler in einer Galerie mit Charlie Whisker, Mitbegründer der VIRGIN PRUNES, musikalisch für viele Jahre mit Maurice Seezer “verheiratet”. In den letzten Jahren waren es vor allem Theaterbühnen und Filmmusik, mit denen sich Friday beschäftigt hat, darunter sogar 50CENTs autobiographischer Film “Get Rich Or Die Tryin’”, aber eben auch klassisches Material wie “Peter & Der Wolf”.

“catholic”, bewusst mit kleinem ‘c’ geschrieben, ist das erste echte Solo-Studioalbum seit “Shag Tobacco” (1995). Die musikalische Arbeit für Film und Theater hat deutliche Spuren hinterlassen, insofern geht es, wenn man von stilistischer Kontinuität sprechen will, weniger um das Anknüpfen an den 16 Jahre alten Vorgänger, sondern das Fortführen dessen, was Friday sich zur Aufgabe gemacht hat. Herausgekommen ist dabei ein Album von zutiefst menschlicher, von Verlust und Verlustgefühlen geprägter, emotionaler Musik. Es ist ein Album mit vielen leisen Hits, darunter das schöne, poppige “Able”, das melodisch formvollendete “The Only One” oder “The Sun & The Moon & The Stars”, welches mit traumhaft wohl noch untertrieben charakterisiert würde.

Fridays Songs wirken wie ein direkter Draht aus seinem Herz zu dem des Hörers. Ätherisches, Atmosphärisches und bisweilen Märchenhaftes teilt sich den Klangraum mit wunderbaren Arrangements irgendwo zwischen Pop, Indie Rock und klassischer Kammermusik. Die Instrumente sind genau aufeinander abgestimmt und akzentuiert, prägend vor allem die vielen Kontraste durch Keyboards und Gitarren. “It’s All Ahead Of You” ist ein Paradebeispiel für die ausgesprochene Feinfühligkeit, die dieses Album auszeichnet. Dazu dann die Stimme des Iren, wohlig-wärmend und zugleich zerbrechlich, verletzlich.

“catholic” endet gleich zweimal: Nach dem “Epilogue” folgen zwei Stücke, die den stärksten Kontrast des ganzen Albums aufbauen. Zum einen das gewaltige, energische “Where’d Ya Go?”, welches das volle Spektrum auslotet, gefolgt vom echten Abgesang “Lord, I’m Coming”. Emotional mitreißend wie schon zuvor der treffend betitelte “A Song That Hurts”, aber mit deutlich sakralem Anstrich. Ein Requiem, das keiner Kirche, keiner Religion gehört, sondern nur dem Mensch allein. Einfach herrlich, Gavin.

» Gavin Friday

Format:  Album
Länge:   11 Songs | 51:37
Label:   Rubyworks
Release: 22.04.2011
Leserwertung:
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (2 Wertungen, Ø 9,00 von 10)
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