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Gadi Caplan – “Opposite Views”

12. November 2011 | Bastian | Musikrezensionen | 473 mal gelesen

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Fusion Jazz Prog mit Leichtigkeit

Englishman in New York war einmal. Heute ist es Isreali man in Boston. Gadi Caplan hat es dort wegen der Musik ans Berkley College verschlagen. Als Gitarrist ist man ja durchaus prädestiniert für Rockbands, doch damit hat er sich nicht zufrieden gegeben. Nicht nur das Musikstudium, wohl auch seine Reise nach Indien dürften dafür gesorgt haben, dass Gadi seinen Horizont mächtig erweitert hat. Hörbar wird das auf seinem Debütalbum, welches nach einem dreijährigen Maraton an Aufnahmesessions entstanden ist.

Bei einem so ambitionierten Musiker wie Caplan ist es dann auch kein Wunder, dass “Opposite Views” nur schwer einzuordnen ist. Das größtenteils instrumentale Werk ist eine spannende Mixtur aus Progressive Rock, Fusion Jazz und allerlei Versatzstücken aus dem Alternative- und Indie-Bereich. Man könnte meinen, dass jemand wie Caplan, der die Gitarre als Hauptinstrument für sich entdeckt hat, auch das Album entsprechend dominiert, doch man erlebt hier einige Überraschungen. Als prägnante Nebenschauspieler brillieren vor allem das Saxophon und die Violine, ferner besteht das Bandensemble aus Keyboards (mit sehr schönen Rhodesklängen) und weiteren Streichinstrumenten.

Schon das erste Stück “Harmony Police” ist ein weitläufiger, bisweilen experimenteller Spaziergang, der zwar mit komplexen Strukturen und Arrangements aufwartet, aber durch elegante Kunstgriffe den Hörer zu keiner Sekunde überfordert. Tatsächlich entfalten sich die einzelnen Stücke im Verlauf mit spielerischer Leichtigkeit in einer Mischung aus Lounge, Club und Bar Musik. Das einzige Stück mit Gesang “Nocturnal Adventure” fällt dabei besonders auf: Der Text wird locker und jazzig vorgetragen und eröffnet hier eine ganz eigene Facette, die live sicherlich noch ganz andere Reize als “nur” instrumentale Stücke entfalten könnte. Wie sich Sänger und Instrumente gegenseitig die Bälle zuwerfen, ist jedenfalls äußerst unterhaltsam.

“Feels Like Morning” passt erstaunlich gut in die jetzige Jahreszeit, die Atmosphäre gleicht einem grauen, nebelverhangenem Morgen, an dem man am liebsten ziellos umhertreiben würde. Doch die Reise mit “Opposite Views” hat ein Ziel und erreicht mit “Boni” einen versöhnlichen Ruhepunkt mit SANTANA-Gitarre und Violine. Noch mehr Assoziationen habe ich allerdings mit Matt Coopers OUTSIDE, die einen ähnlich unbeschwerten, virtuosen Stil pflegten.
Die ruhigere Seite indes setzt sich mit “Rita’s Garden” fort und erreicht im abschließenden Titelstück seinen Höhepunkt. Gadi Caplan führt uns hier zum anderen Ende, zum Schluß ganz ohne Jazz Verspieltheit, ohne Entdeckungscharakter, in einem vollkommen harmonischem Kammerstück, welches trotzdem über Ecken und Kanten verfügt.

“Opposite Views” ist eine perfekte Melange aus anspruchsvollen, leicht bekömmlichen Arrangements und dynamisch geschwungenen Kompositionen, die vor allem Jazz-affinen Hörern sehr zusagen dürften. Sehr empfehlenswert!

» Gadi Caplan

Format:  Album
Länge:   7 Songs | 41:48
Label:   Eigenproduktion
Release: 2010
Leserwertung:
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