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Collapse Under The Empire – “Shoulders & Giants”

18. Oktober 2011 | Bastian | Musikrezensionen | 604 mal gelesen

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Gigantisch!

Vorhang auf für eine der Bands, die den Unterschied machen. Nach diversen Projekten und Veröffentlichungen stellt das deutsche Post-Rock-Duo COLLAPSE UNDER THE EMPIRE nun ihr neuestes Album vor – und gleich eine Doppelnummer soll es werden. “Shoulders & Giants” lautet der erste Streich, der zweite namens “Sacrifice & Isolation” soll etwa ein Jahr später folgen.

Der aussagekräftige Titel bezeichnet ein Album, dessen Sujets nur zur gut den vermeintlichen Definitionen des Genres ähneln. Es geht um absolute Freiheit, um Reisen ohne Grenzen und mit persönlichen Zielen, es geht um’s Eingemachte, um das Existentielle unseres Lebens. Ein gewaltiges Vorhaben, was aber angesichts der Vorliebe für breitwandige Soundtrackgebilde eine lösbare Aufgabe für CUTE sein sollte. Sollte? Halten wir uns nicht mit Konjunktiven sondern mit Tatsachen auf.

CUTE stehen erfreulicherweise für die Minderheit an Bands, die tatsächlich etwas bewegen. Post-Rock leidet wie z. B. der gesamte “Progressive”-Bereich an ermüdender Stagnation. Die große Mehrheit jener Bands, die sich als ‘progressiv’ bezeichnen, sind weder das noch anderweitig innovativ, sondern begnügen sich damit, Schubladenkriterien zu erfüllen; ebenso Post-Rock-Bands, von denen die meisten identitätslose Schablonen sind, denen jegliche postmoderne Reflexion abgeht. Kompositorische Einfallslosigkeit in beeindruckende instrumentale Hülle gekleidet, aber – das muss man den Post-Rockern schon lassen – nirgendwo klingt Stagnation noch so gut und erträglich.

CUTE brechen aus dem instrumentalen Singsang aus, indem sie ein ganz spezielles Narrativ pflegen, dessen instrumentale Wirkung weit über den Muzak-Charakter vieler Kollegen hinausgeht. Sie bauen keinen gleichbleibenden Kanon auf, sondern sorgen für echte Spannungen und Schwankungen – Musik, bei der menschliche Emotionen federführend sind.
Ihre Ausflüge in psychedelische Sphären oder schwere Gitarrenklänge in jüngster Vergangenheit prägen auch “Shoulders & Giants”. Es ist ein erfrischendes Wechselbad der Gefühle, dessen packender Atmosphäre man sich nur schwer entreißen kann. CUTE zeigen sich hier einmal mehr als detailverliebte Komponisten, Klangkonstrukteure und Soundtrack-Architekten, die ihren Hörern die eigenen Ambitionen noch nicht einmal auf subtilste Art soufflieren müssen.

Egal ob Soundtrack, Reise oder Klanggemälde, CUTE lassen dem Hörer jeden Freiraum, um ihre Musik zu erforschen. Bands kommen nicht umhin, Höhepunkte zu schaffen, und zwar nicht die voraussehbaren Steigerungen auf den ziellosen Selbstfindungstrips, bei denen nach einer Stunde netter Hintergrundbeschallung nichts weiter hängenbleibt. CUTE führen den Hörer immer wieder an neue Orte, und gerade wenn man denkt, sie ganz durchschauen zu können, brechen sie aus ihren eigenen Strukturen aus. Natürlich gibt es bei ihnen die erwartungsgemäßen Momente voller Dramatik und Adrenalin, aber gerade solche Songs wie “Disclosure” mit seinen verzerrten, kalt und hart anmutenden Beats oder das mystisch spannende “Days Of Freezing” krallen sich regelrecht fest. “Incident” ist mein persönlicher Favorit – engelsgleiche Chöre zu Beginn sorgen für den ersten Aha-Effekt, leichtes MASSIVE ATTACK-Feeling kommt auf, und mit den folgenden Gitarrenlinien, in ganz neuem Klanggewand, schreiben sie sich endgültig ins Gedächtnis. Das sind Songs mit dieser eigenartigen Kraft, sich selbst in den entlegensten Situationen immer wieder ins Bewusstsein zu mogeln – ein gutes Zeichen.

Kenner dürfen erneut – wenigstens mit beiden Händen – blind zugreifen, Zweifler dürften ihren Standpunkt nach diesem Album, welches nichts anderes als eine erneute Steigerung der Band darstellt, wohl endgültig überdenken. Diese Band gehört ins Regal, auf die Bühnen, ins Kopfkino!

PS: Nicht unter den Tisch fallen soll das fantastische Artwork von Muriel Derozereuil, welches das Digipak zu einem wahren Genuss für die Augen werden lässt.

» Collapse Under The Empire

Format:  Album
Länge:   10 Songs | 55:08
Label:   Sister Jack Records
Release: 21.10.2011
Leserwertung:
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (3 Wertungen, Ø 8,00 von 10)
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1 Kommentar zu Collapse Under The Empire – “Shoulders & Giants”

Matt
25. Oktober 2011

Das Album ist durchaus etwas anders als der/die Vorgänger. Elektrolastiger und nach meinem Empfinden auch gleichförmiger. Was mich allerdings ein wenig stört ist der über das gesamte Album verwendete Distortioneffekt. Finde ich spätestens ab dem dritten Lied fehlplatziert und sozusagen “überproduziert”, bzw. überstrapaziert. Ansonsten höre ich einige Parallelen zu LIGHTS OUT ASIA, welche den Aufbau dieser verträumten Atmosphäre allerdings noch deutlich ausgereifter, spielerischer und somit letztendlich besser beherrschen. Dennoch: Ein gutes Album von einem starken Duo. Man darf gespannt auf die Zukunft der Band gespannt sein. Hier wird es sicher noch großes zu hören geben. 7/10

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