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Moonsorrow – “Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maassa”

5. September 2011 | ME | Musikrezensionen | 824 mal gelesen

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Pursuit Of The Vikings Part V: Ruf der Altvorderen

Das letzte “echte” Album (es gab ja noch die Überlänge-EP “Tulimyrsky”) der finnischen Götter von MOONSORROW “Viides Luku – Hävitetty” liegt vier lange Jahre zurück. Im Gegensatz zu damals haben die Männer aus dem Lande der tausend Seen auf dem neuen Opus “Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maassa” diesmal wieder mehr Songs aufgenommen; deren vier nämlich, dazu gesellen sich drei kurze instrumentale Zwischenspiele. Klar, dass es sich ausnahmslos um Überlängetracks handelt, inzwischen ein Markenzeichen dieser außergewöhnlichen Band. MOONSORROW bleiben sich treu, verbinden auch heute wieder diese melancholisch subtile Folklore mit schwarzmetallischer Raserei. Chöre, Fauchgesänge (welche klar in der Überzahl sind) und manchmal kurze Erholungsphasen am Lagerfeuer bestimmen das Hörbild.

MOONSORROW, und das ist das Besondere an ihnen, sind keine Flötenband oder schunkeln in Humppa-Manier. Sie sind weder bierselig noch bedienen sie sich paganer Strickmuster, was möglicherweise kommerziell einfacher wäre. Maultrommel, seltsame (mir unbekannte) Instrumente und unheimliche Geräusche erzeugen eine düstere, durchgehend recht aggressive Atmosphäre. Die Band ist härter als auf dem Vorgängerwerk, erinnert stärker an das legendäre schwarze Album “Verisäkeet”.

Der Opener “Tähdetön” berauscht von Anfang an mit Epik überbordender Natur; das Zwiegespräch mit den Altvorderen findet eine Menge gespannt lauschender Hörer, wir sitzen im Kreis um den Barden, welcher mit seinem Sange von ungewöhnlicher Bildkraft Strudel von verwirrender Trance erzeugt; Die Vocals wirken hohepriesterlich, hypnotisierend, die akustische Begleitung verführt so manches Mal, an einen langen Frieden zu glauben. Doch nichts da: In einer musikalischen Endlosschleife gefangen finden wir immer zum Ursprung zurück. Für derartig dunkle Musik gerät das Folklorebreak ungewohnt lässig; altruistische Träume vom Leben in alten Zeiten werden wieder belebt, bleiben jedoch dem Reich der Phantasie vorbehalten.

MOONSORROW leben nämlich durchaus im Jetzt; sie erinnern an naturverbundenere Lebensstrukturen; die Menschen seinerzeit konnten sich in vieler Hinsicht leichter organisieren, jedoch leichter als heute war das Leben nicht. Das zeigen die Finnen auch. Kurz hält der Barde inne, alle lauschen geheimnisvollen Geräuschen, Babygeschrei, einer verheißungsvoll aufscheinenden Melodie, welche vergeht, bevor das Auditorium sie fassen kann. (“Hävitetty”).

“Muinaisett” eröffnet bombastisch, rhythmisch, alle werden mitgerissen vom Strom der Erinnerungen. Beinahe im Rezitativ geht durch den sich bauschen Vorhang aus wallendem Blätterwerk, hinein in den grünen Hain; die traurige, beinahe schwedische Gitarrenlinie verzaubert die Zeitreisenden. Nach wie vor bilden MOONSORROW mit ihrer ausufernden Epik die Speerspitze dieser Form archaischer Musik. THYRFING, EINHERJER und manchmal FINNTROLL wildern in der Nähe, gehen aber alle für sich vollkommen anders vor.

Der sehr böse Gesang von MOONSORROW lässt die Band wenig mainstreamkompatibel sein. Die Musik bedient sich jedoch durchaus einschmeichelnder Passagen, sozusagen die Verführung mit wohlschmeckendem Gift. Und auch “Muinaisett” fährt diese grandiose Folksequenz auf, ohne die MOONSORROW-Dramatik nicht denkbar wäre. Seltsam, manchmal winkt der Orient, auch das kennen wir, möglicherweise gab es schon damals entsprechende Handelsrouten, Entdeckerfahrten und kulturelle Schnittpunkte entstanden, ein kosmopolitisches musikalisches Gedächtnis.

Denn bei aller Abgeschiedenheit, Vereinzelung oder Einsamkeit, die Finnen sind keine engstirnige Band. Erneut muss der Erzähler innehalten, Wölfe heulen, wir hören Schritte im Schnee, Stimmen, entfernt braut sich etwas Düsteres zusammen (“Nälkä, Väsymys Ja Epätoivo”). Dann, in “Huuto” klimpern akustische Töne, wir entspannen kurz, bis schwere Akkorde sich wie dunkle Flügel des schwarzen Greifs über uns falten; Melodielinien und Groove sind durchaus in der Nähe von härteren ENSIFERUM anzusiedeln, wenn diese sich in progressivere Gefilde vorwagen. Immer wieder begeben sich  MOONSORROW auf die Suche nach klassischen Kontrasten, suchen das Unterholz, gehen dahin wo es unwirtlich scheint, wo jedoch bei genauerem Hinsehen die umtriebige Natur ihre größte Schönheit zeigt.

“Kuolleille”: Schwerer Atem, Einsamkeit und ein gellender Schrei, “Blair Witch” ist auch in Finnland ein Begriff. Das viertelstündige Finale “Kuolleiden Maa” resümiert noch einmal unter Aufbietung aller stilistischen Mittel den Ablauf der Geschichte. Es ist ein eigenartiger schwarzer Zauber, der sich da noch einmal entfaltet. Leicht machen es sich die Finnen mit so einem garstigen Album nicht. Das Aufwachen nach dem Ende der letzten Takte fällt ungemein schwer, diese Story müssen wir noch einmal hören, erleben.

» Moonsorrow

Format:  Album
Länge:   7 Songs | 61:26
Label:   Drakkar Records
Release: 25.02.2011
Leserwertung:
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2 Kommentare zu Moonsorrow – “Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maassa”

Weirdo
5. September 2011

Das ging ja wohl mal KOMPLETT an der echten Story hinter dem Album vorbei.

ME
9. September 2011

Die Geschichte hinter den Texten zu erzählen ist MOONSORROW’s Sache (sie kann im Booklet fein nachverfolgt werden), nicht meine; der Rezensent lässt seinen Assoziationen freien Lauf ;)

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