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Dale Cooper Quartet And The Dictaphones – “Parole De Navarre”

25. Juli 2011 | Bastian | Musikrezensionen | 648 mal gelesen

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Dark Jazzbient

Wenn gute Musik kein Geheimtipp bleiben soll, muss der Liebhaber ein bisschen nachhelfen. Der Liebhaber ist das sympathische Label Denovali Records, die schon das eine und andere Mal eine Platte neu aufgelegt haben, die sonst wohl in der Senke des Vergessens verschwunden wäre. Mit “Parole De Navarre” von DALE COOPER QUARTET AND THE DICTAPHONES hat man sich nun eine weitere Perle an Land gezogen, die bereits 2006 auf dem kleinen französischen Label Diesel Combustible erschienen ist.

Hört man die ersten Stücke des Albums, merkt man schnell, dass sich die Neuauflage in guter Gesellschaft befindet. In den letzten Jahren sind durch einige zum Teil obskure Acts Versuche unternommen worden, Jazz neu zu definieren. Black Jazz aus Norwegen, Dark Jazz und Doom Jazz in den Niederlanden, Death Jazz aus dem Netz (keiner weiß warum) und Nu Jazz für alle die sich wundern, warum das jetzt alles so neu sein soll. Auf “Parole De Navarre” geht es jedoch weniger um avantgardistische Grenzerfahrungen oder monolithische Dark Ambient Bauwerke, sondern um das, was BOHREN & DER CLUB OF GORE mal so treffend als “langsame, kraftvolle, poetische und geheimnisvolle Musik” bezeichnet haben.

Sie scheinen mir auch die größte Quelle der Inspiration zu sein, derer sich die Franzosen bedient haben, denn eines muss man den Mülheimern lassen: Sie zählen zu den Pionieren, wenn nicht sogar Erfindern dieser einzigartigen Melange aus Jazz, Doom und Dark Ambient. Das Quartett und die Diktiergeräte reihen sich ein in den Kreis der spärlich ausgewählten Bands und Projekte, die diesem Sound frönen. Sie vertonen das, was eigentlich nicht klingen kann, wandeln in ihren Kompositionen durch den dicken Nebel schwitziger Jazz-Clubs, den kalten Hauch der Nacht und die leeren Augen der Stadt.

Wenn das Quartett mit “Une Cellier” in Langsamkeit zerfließt, bewegen sie sich auf vertrautem Terrain und spielen im Takt des Herzschlages. Eine Etage tiefer spielt dann “Sa Vestibule” mit effektvoll akzentuiertem Schlagzeug und nervösem Piano. “Mon Bibliothèque” besticht durch den warmen Bass und die Saxophon-Soli, wobei das gesamte Stück viel von den mystischen Jazzkompositionen Mark Ishams in sich trägt – nur das der eben lieber auf der Trompete spielt. Und was die Dark Ambient Streifzüge wie z. B. bei “Ma Dressing” betrifft: DCQ begnügen sich nicht nur mit düstermalerischen Eskapaden, um ein kaltes Gefühl der Bedrohung zu evozieren, sondern greifen dabei viel tiefer, mit intensiverer Wirkung. So als ob sich hier die Persönlichkeit des Quartetts spaltet – auf der einen Seite Jazz á la Bohren & Co., auf der anderen Klanglandschaften wie von DESIDERII MARGINIS, RAISON D’ÊTRE oder NEW RISEN THRONE. Das ist dann, verglichen mit der etwas offenherzigeren Herangehensweise vom KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE und seinem experimentellen Drone-Zwilling, schon ein kleines Novum.

Vielerorts ist ja zu lesen, “Parole De Navarre” sei Musik wie aus einem David Lynch Film entsprungen. Ob es tatsächlich einen Film dazu braucht, sei dahingestellt. Die Dunkelheit kommt auch ganz ohne Leinwand über uns herein. Und wenn das in Form des Dale Cooper Quartetts geschieht, sind das keine schlechten Aussichten für die Nacht.

» Dale Cooper Quartet And The Dictaphones

Format:  Album
Länge:   10 Songs | 71:16
Label:   Denovali Records
Release: 15.11.2010
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