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Blackfilm – “Blackfilm”

24. Juli 2011 | Bastian | Musikrezensionen | 474 mal gelesen

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Filmreife Vorstellung

Hebt man Musik auf die Stufe eines Soundtracks, scheint das Erlebnis gleich ein ganz anderes, besseres zu sein. Kopfkino, cinematische Musik, bewegte Bilder im Geiste, hervorgerufen kraft der Klänge durch freie Assoziationen. Nicht alles, was damit gelabelt wird, taugt wirklich zur akustischen Illustration von Bildergeschichten, aber im Fall des ungarischen Künstlers BLACKFILM, der sich keinen passenderen Namen hätte auswählen können, kann man dieses Attribut zweifelsfrei verwenden. Das Debüt und bisher einzige Album des Künstlers glänzt durch zehn kleine, sozusagen bildgewaltige Klangepen, die im losen Kontext zueinander stehend jedes für sich seine eigene Geschichte erzählt.

Zehn Geschichten, zehn komplexe Szenen, die den Hörern eine enorme stilistische Bandbreite offerieren. Allein schon der Einstieg mit Noir Flair und düsterem Jazz-Schlagzeug in “Come & See” beflügelt die Fantasie. BLACKFILM vereint Trip-Hop, Downtempo, Ambient, IDM und Dub in einer nahezu nahtlos verzahnten Melange, die teilweise stark an AMON TOBINs frühe Werke erinnern. Gesampelte Streicher- und Bläserklänge verleihen den Tracks bisweilen orchestralen Charakter, hinzu kommen subtile Sprachpassagen, modulierte Gesangssamples und sogar echter Gesang. “Mahabharata” mit seiner orientalischen, mystischen Färbung ist so intensiv wie bei DEAD CAN DANCE.

BLACKFILMs Tracks sind kontrastreich, Hell wechselt mit Dunkel, auf isolationistische Ambientparts folgen überraschende Breaks, und eigentlich fehlen hier nur noch die Turntables, um das Bild rund zu machen – doch es finden sich ohnehin einige Spurenelemente von PORTISHEAD. Aber auch andere Einflüsse, oder besser Seelenverwandte sind zwischen den Noten herauszuhören, u.a. MONK & CANATELLA, DJ SHADOW, PLAID, KING OF WOOLWORTHS, FUTURE SOUND OF LONDON. Die Liste ließe sich noch viel weiter führen, denn was diese ganzen Künstler und BLACKFILM eint, ist die Hingabe zu dieser Art Musik – Soundtracks ohne Film, mit dem Projektor im eigenen Schädel. Und der sorgt dann für teils krude Kompositionen wie “Stalingrad” – ein Name mit eindeutiger Konnotation, bei BLACKFILM eine Bricolage aus Western Stand-off, Gangstertunes und unheilvoller Bedrohung in den Ruinen einer Stadt, in der nichts und niemand mehr lebt.

“Blackfilm” erschien bereits 2008 auf dem kurzlebigen griechischen Label Spectraliquid und wurde dankbarerweise von Denovali neu aufgelegt. Nach dem vorzeitigen Abgang des Labels wäre es nämlich zu schade gewesen, wenn BLACKFILM auf ewig ein unter der digitalen Ladentheke getauschter Geheimtipp bliebe.

» Blackfilm

Format:  Album
Länge:   10 Songs | 57:36
Label:   Denovali Records
Release: 01.12.2010
Leserwertung:
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (2 Wertungen, Ø 8,00 von 10)
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