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Bill Callahan – “Apocalypse”

28. Juni 2011 | Matt | Musikrezensionen | 436 mal gelesen

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Zurücklehnen mit Anspruch

Einer der heutzutage wichtigsten Singer-songwriter ist eindeutig BILL CALLAHAN, der mit “Apocalypse” nun nach “Woke On A Whaleheart” (2007) und “Sometimes I Wish We Were An Eagle” (2009) sein drittes Soloalbum, bzw. das dritte Album unter seinem bürgerlichen Namen herausbringt. Unter dem Banner SMOG veröffentlicht der 1966 in Maryland geborene U.S.-Amerikaner seit 1992 Alben und kann auf einen mittlerweile beachtlichen Back-Katalog zurückblicken. Zudem gilt BILL CALLAHAN als einer der Vorreiter des sogenannten Lo-FI. Anfangs hat er seine Aufnahmen mit einem einfachen Vierspurgerät produziert und diesen ursprünglichen Sound weitestgehend auch nicht mehr bearbeitet.

Die Interpretation, ob nun “Apocalypse” seine persönliche Apokalypse widerspiegelt, weil er sich hier mit Themen, die ihn beschäftigen und berühren auseinandersetzt oder ob der Titel doch eher auf die Verknüpfungen des dichten textlichen Inhalts in Bezug auf das U.S.- und Weltgeschehen abzielt, soll jeder für sich selbst ergründen. Fakt ist, dass wir es hier lyrisch mit einem Werk zu tun haben, das zum unbedingtem Zuhören und Nachdenken auffordert. BILL CALLAHAN regt an, züngelt dabei immer mal wieder mit einer Prise Humor herum, der nicht selten auch leicht bitter erscheint.

Im Opener “Drover” besingt er sein “wild, wild country”, das unter der Oberfläche ein etwas anderes Gesicht birgt. Schönheit und Kritik in einem Atemzug. Es wirkt leicht anklagend und sowieso kritisch, wenn er die Worte Amerika, Afghanistan, Vietnam, Iran, die Bibel und Letterman in einem Text (“America!”) unterbringt, über sein goldenes Land singt und im Gegenzug dazu die musikalischen Vorzüge seines Heimatlandes in Form einiger namhafter Genre-Kollegen benennt. Egal, ob es politische Themen sind, die er besingt, persönliche Befindlichkeiten zum Ausdruck bringt oder alles miteinander verknüpft, BILL CALLAHAN erzählt fantastische kleine Geschichten, die es wert sind, gehört und ergründet zu werden.

Direkt ins Herz trifft BILL CALLAHAN allerdings sofort mit dem wunderschönen “Riding For The Feeling”, einem verträumten Lied über das Abschiednehmen und das Selbstvergessen. Wirklich erstaunlich und beeindruckend, mit was für simplen Mitteln man doch soviel Gefühl ausdrücken kann. Ohnehin ist es die große Handwerkskunst von BILL CALLAHAN, seine Musik beim ersten Eindruck simpel erscheinen zu lassen. Die Feinheiten eröffnen sich erst nach mehrmaligem Hören, wenn man die vorsichtige Dynamik in den Songs erkennt und ihre Wirkung mit den Lyrics kombiniert. An dieser Stelle ergießt sich das Können dieses Musikers über den Hörer und das Thema Singer-songwriter avanciert regelrecht zu einer Lehrstunde, denn hier wird nicht nach bekanntem Schema musiziert.

Die sieben fünf bis knapp neun Minuten langen Stücke besitzen alle eine eigene Struktur. Es gibt kein Déjà-vu und auch keine Längen, wenn man als Hörer aufmerksam bleibt und bereit ist, sich den Klängen hinzugeben und eben richtig zuzuhören. Akustikgitarre, E-Gitarre, Bass, Schlagzeug, Fidel, Flöte und Piano bilden hier eine meist zurückhaltende, manchmal aber auch ausdrucksstarke Einheit, wobei natürlich die warme, leicht tiefe und etwas sentimentale Stimme von BILL CALLAHAN stets im Vordergrund steht und die Seele dieses kleinen Meisterwerkes bildet.

“Apocalypse” ist ein rundes und in sich stimmiges Album geworden, voller Nachdenklichkeit, Kritik, aber auch mit schönen Augenblicken, kleinen Wortspielen und entspannter Tonromantik. Absolute Empfehlung für alle, die mit intelligenter und eigentümlicher Singer-songwriter-Stilistik etwas anfangen können.

» Bill Callahan

Format:  Album
Länge:   7 Songs | 40:29
Label:   Drag City
Release: 05.04.2011
Leserwertung:
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (3 Wertungen, Ø 9,00 von 10)
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