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Moon (2009)

18. August 2010 | Bastian | Filmrezensionen | 541 mal gelesen

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MoonEs war vor fast 40 Jahren, als der Mensch zum bis heute letzten Mal seinen Fuß auf den Mond setzte. Und selbst als Apollo 17 zur Erde zurückkehrte, hatten die Astronauten keine vier Tage auf unserem Erdtrabanten verbracht. In der Zukunft lebt der Mensch dauerhaft in einer Mondbasis, jahrelang, denn in der Zukunft wird der Mond zum Hoffnungsträger bei der Erschließung alternativer Energiequellen.

Es ist diese Zukunftsmusik, die das Langfilmdebüt von Duncan Jones (der in der Presse stets als Sohn von David Bowie herumgereicht wird) einleitet. Da Öl & Co. bekanntermaßen nicht in unbegrenztem Vorrat auf der Erde vorhanden sind, hat sich die Menschheit den grauen Himmelskörper als Quelle eines neuen Energieträgers erschlossen. Das sog. ‘Helium 3′, auf der Erde nur in verschwindend geringen Mengen vorhanden, hat sich durch jahrmillionenlange Sonneneinstrahlung auf der Mondoberfläche gesammelt und wird dort, in einer schönen Analogie zur ältesten Wirtschaftsform der Menschheit, von riesigen, Mähdrescherartigen Maschinen abgebaut. Lunar Industries, der internationale Wirtschaftsriese, der hinter diesem Unternehmen steht, hat dort oben fast alles automatisiert, so dass es nur einen einzigen Arbeiter braucht, der auf der Mondbasis sozusagen das Mädchen und der Ingenieur für alles ist. In diesem dem eigentlichen Film vorauseilenden Werbetrailer hört sich das alles sehr einfach und plausibel an, doch schon Minuten später werden wir mit der Realität von Sam konfrontiert, der kurz vor dem Ende seiner dreijährigen Dienstzeit auf dem Mond steht.

Drei Jahre auf dem Mond, allein. Nach drei Jahren werden selbst komplexeste Arbeitsabläufe, Trainingseinheiten und Wartungsaufträge zur routinisierten Tortur für die Seele. Nichts kann darüber hinwegtäuschen, dass Sam auf der Station ganz alleine ist, Hoffnung bieten da nur die spärlichen Videobotschaften mit seiner Frau. Selbst die Gespräche mit Stationsroboter “Gerty” helfen Sam nicht, die immer enger werdenden Grenzen der Isolation zu sprengen und wecken umso mehr die Sehnsucht nach der baldigen Ablösung, die nur noch zwei Wochen entfernt ist.
Doch dann passiert bei einem Routineeinsatz ein Unfall mit ungeahnten Konsequenzen. Sam hat plötzlich Wahrnehmungen, Halluzinationen die er kaum deuten kann, bis er sich plötzlich selbst gegenübersteht: Sam, in Fleisch und Blut, wie ein lebendiges Portrait seiner selbst. Während sich sein eigener Gesundheitszustand zunehmend verschlechtert, macht er mit dem zweiten Sam eine unfassbare Entdeckung, die sein gesamtes Weltbild erschüttert…

Moon ist ein beeindruckendes, faszinierendes Werk mit drei wirklich exzellenten Stärken. Das wäre zum Einen der ausgeprägte Minimalismus, der nicht nur im schmalen Budget begründet liegt. Die Geschichte spielt sich zu einem großen Teil nur im Inneren der Mondstation ab, und doch erzeugen die Ausflüge an die Mondoberfläche ein intensives Panorama, bündelt Hauptdarsteller Sam Rockwell eine solche Energie in seinem Spiel, so dass man als Zuschauer sprachlos und überwältigt ist.

Hinzu kommt als zweiter Punkt, dass Moon ein wahres Sammelsurium an Filmzitaten ist. In dem doch eher ungewöhnlichen und sehr anspruchsvollen Science-fiction-Film finden sich Einflüsse kleiner und großer Werke der Vergangenheit, dass selbst Regisseur Jones erfreut dazu aufgefordert hat, all diese Spuren zu entdecken. Der durchaus intellektuelle und emotionale Roboter “Gerty” ist ein solches Beispiel, den man im Gegensatz zu “Mother” aus Alien nicht mit unzähligen Fragen ausquetschen muß, um die Wahrheit zu erfahren, oder wie HAL in 2001: A Space Odyssey, der plötzlich ein Eigenleben entwickelt. Die Ästhetik der Raumstation ist vertraut, das Konzept der extraterrestrischen Energiegewinnung aus zahlreichen Filmen bekannt, doch auch Filme wie Bladerunner aus der eher philosophisch orientierten Ecke der Sci-Fi-Welt werden in Moon verewigt. Kein Horror aus der Zukunft, keine Utopie sondern wohl eher eine Dystopie, bei der sich nur der zeitliche Rahmen verschoben hat, aber nicht sein realer Bezug zu unserem Alltag. Man kann Moon aus der Perspektive einer fantastischen Fiktion sehen, aber z.B. auch aus wirtschaftskritischer Sicht.

Die dritte große Stärke, die in gewisser Hinsicht auch die vorangegangen Punkte in sich vereint, ist der Score von Clint Mansell. Ebenso minimal, ebenso subtil mit Zitaten bereichert. Mansell hat sich hier bewusst auf ganz wenige Motive beschränkt, die im Film immer wiederkehren und sich dabei fast voll und ganz auf Sam und seine Gefühlswelt konzentrieren. Die Musik vertont keine Maschinen und vermeidet es auch, die Bildsprache zu kommentieren – sie folgt Sam, seinen Gedanken, seinen Empfindungen und lädt den Zuschauer gleichzeitig ein, in Sams fremde, künstliche Welt einzusteigen. Zarte, elektronische Beats, Streicherklänge  und vor allem das Piano spielen eindringliche Melodien, die die Leere und Sehnsucht spüren lassen, die in mehr als 300 000 Kilometer Entfernung herrschen muss. So wie das, was der Film erzählt, den Zuschauer noch lange zum Nachdenken animiert, so ist es auch dieser Score, der mehr als bloße Begleitmusik echten Kontakt herstellt. Zu Sam, zu den Bildern und zu uns als Zuschauer.

Moon lief erst dieses Jahr in deutschen Kinos an – wer die Chance hat, den Film in einem kleinen Kino zu erwischen, sollte sich diese nicht entgehen lassen. Und sei es nur darum, nach fast 40 Jahren mal wieder neue Bilder von der Mondoberfläche zu sehen.

8/10

» Moon bei IMDb.com

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