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When The Wind Blows (1986)

1. September 2009 | Bastian | Filmrezensionen | 273 mal gelesen

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When The Wind BlowsEin Film, der die ganze Welt aus dem Koma befreien könnte – wenn alle Menschen ihn denn sehen würden.

Denkt man an den Kalten Krieg, dann ist wohl unbestritten die Kubakrise der Höhepunkt gewesen, wenn es um die Wahrscheinlichkeit eines atomaren Krieges geht. Zahlreiche Dokumente mit neuen Fakten sind erst vor wenigen Jahren an die Öffentlichkeit gelangt, aber noch viel mehr Dokumente aus dieser Zeit liegen noch immer unter Verschluß – manche vermutlich für immer. Vieles deutet daraufhin, dass diese zwei Wochen im Oktober 1962 noch viel brenzliger und gefährlicher waren, als man es noch vor ein paar Jahren annahm. Doch die Stationierung der mit Atomsprengköpfen bestückten Raketen auf Kuba war nicht die einzige Krise im Kalten Krieg, und mitnichten der einzige Höhepunkt. Zwischenzeitlich gab es zwar auch Phasen der Entspannung, in denen sich das Verhältnis der beiden Machtblöcke verbesserte.

Mit den 80er Jahren sah die Entspannungspolitik der vorangegangenen Jahre jedoch vorerst ihr jähes Ende. Unter US-Präsident Reagan fand eine erneute, extreme Aufrüstung statt. Stichworte dieser Ära sind der sowjetische Einmarsch in Afghanistan und der Nato-Doppelbeschluss. Da sich die USA und die Sowjetunion nicht auf eine Abrüstung ihrer Mittelstreckenraketen einigen konnten, kam es zum Gegenteil. In Deutschland wurden trotz vielseitiger Proteste der Bevölkerung Pershing-II-Raketen stationiert. Der Westen versuchte zudem einen uneinholbaren Technologievorsprung zu erreichen (“Star Wars”-Programm, Neutronenbombe, Stealthtechnologie), dem die Sowjetunion kaum noch etwas entgegenzusetzen hatte. Erst Mitte der 80er läutete Gorbatschow mit seiner Politik von Glasnost und Perestroika das Ende des Kalten Krieges und der Sowjetunion ein. Bevor der eiserne Vorhang jedoch endgültig fiel, war die Bedrohung, das Szenario eines weltumspannenden atomaren Krieges omnipräsent. Diese Stimmung spiegelte sich damals auch in einer ganzen Reihe von Filmen wieder (u.a. Testament, Threads, WarGames, The Day After) – so auch in “When The Wind Blows”.

Dieser Zeichentrickfilm nach einem Buch von Raymond Briggs ist zweifelsohne einer der beeindruckendsten und bewegendsten seiner Art. Das gemütliche, englische Ehepaar Hilda und Jim leben in ihrem Häuschen inmitten einer Idylle, während in der Politik die Situation zwischen Ost- und Westmächten eskaliert. Unwissend, besorgt, aber auch hoffnungsvoll und ein Stückchen naiv versucht vor allem Jim, die beiden auf die bevorstehende Katastrophe vorzubereiten. Man hat schon den zweiten Weltkrieg überlebt, da wird man auch den nächsten Krieg überstehen. Kein Wässerchen könnte sie trüben, bis es dann tatsächlich zum Ernstfall kommt.

Während die Vorbereitungen von Jim an die Sorglosigkeit der “duck-and-cover”-Propaganda der 50er/60er Jahre erinnert, bei deren unfreiwilliger Komik einem manchmal doch das Lachen im Halse steckenbleibt, zeigt sich nach dem großen Knall die häßliche Fratze des Todes, der auf leisen Sohlen schleichend, absolut lautlos über die Landschaft zu Jim und Hilda kriecht. “Die von der Regierung werden es schon richten, die wissen ja Bescheid, die werden helfen” – aber was, wenn womöglich von der Regierung niemand mehr existiert? Keine Radiodurchsagen, keine Soldaten, nichts. Trügerische, leblose Stille und vor der Haustür eine Welt, wie auf einem fernen Planeten.

Der Film ist zwar schon für Kinder freigegeben, richtet sich aber hauptsächlich an Erwachsene. Man beginnt, mitzuleiden, spürt das Ausgeliefertsein vor einer unsichtbaren Bedrohung, muss hilflos mitansehen, wie der Tod immer mehr Besitz von den beiden ergreift. “When The Wind Blows” gibt sich nicht diesem post-apokalyptischen Mythos hin, einer Welt nach dem nuklearen Overkill, in der die Menschen irgendwie weiterleben. Es gibt kein Leben nach dem Tod, vor allem wenn er mit einer ohrenbetäubenden Explosion, heißer als die Sonne, über das Land fegt.
Zurück bleibt bloß Leblosigkeit und Leere. Stille.

“When The Wind Blows” ist harter Tobak. Ein heftiger Film, unbequem. Es ist nicht das, was man seinen Kindern zeigen möchte – aber andererseits sollte man es ihnen vielleicht gerade deshalb zeigen. Jahrzehntelang hat man versucht Kindern weiszumachen, dass Atomkraft etwas Supertolles ist, und wenn am Horizont der Pilz zu sehen ist, duckt man sich, geht mit Mami und Papi schnell in den Keller, wartet dort ein bisschen, und danach ist alles wieder gut. Nur den Schuppen im Garten, den muss der Papi wohl neu aufbauen, wenn er ihn nicht vorher weiß angestrichen hat.
Ich bin davon überzeugt, dass Kinder nicht früh genug erfahren können, dass ein Atomkrieg jenseits von Harmlosigkeit und Normalität ist, dass man sich keinen falschen Hoffnungen auf eine “Zeit danach” ergeben darf, weil man somit die Option eines Atomkrieges rechtfertigen würde. Aber noch mehr als Kinder richtet sich dieser Film an Erwachsene, denn sie sind es, die dieses gefährliche Kriegsspielzeug erfinden und bauen, sie sind es, die damit Politik betreiben, und sie sind es, die am Ende den roten Knopf drücken würden. Es sind Erwachsene, die ihr Gewissen verlieren, jeglichen Verstand für Realität aufgeben; und am Ende sind es diese Erwachsenen, die das an ihre Kinder weitergeben.

Wollen wir das wirklich?

10/10

Alt. Titel: Wenn der Wind weht
» When The Wind Blows bei IMDb.com

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1 Kommentar zu When The Wind Blows (1986)

Matt Sick
28. August 2009

Sehr bewegend, sehr emotional, sehr wichtig! 10/10

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